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Betrügen für die Traum-Uni

In Amerika müssen alle Highschoolabsolventen eine Zulassungsprüfung für ihre Wunsch-Uni absolvieren - den SAT, den Scholastic Assessment Test. Jetzt wird heftig über die Verschärfung von Kontrollen diskutiert. Der Grund: Es gibt zu viele Betrügereien.

Von Gunnar Schulz-Burkel |
    Abiturienten, die am SAT Test teilnehmen wollen, werden künftig schon bei der Anmeldung eine Kopie ihres Schülerausweises mit Bild oder ihres Führerscheins einreichen müssen. Man will sehen, ob der Aspirant auch wirklich der Richtige ist und nicht irgendjemand anderes vorschickt. Auf diese Weise wollen die Hochschulen weitere Betrügereien bei den Zulassungstests für die Unis unterbinden.

    Jedes Jahr werden Millionen Highschoolabsolventen in den Fächern Lesen, Schreiben und Mathe geprüft. Man traut den Abiturnoten einfach nicht. Wer eine hohe Punktzahl erreicht, hat große Chancen, von guten Universitäten akzeptiert zu werden.

    Vom guten Abschneiden profitiert eine ganze Branche. Viele Schüler lassen sich bereits Monate vor den Tests in sogenannten SAT-Prepkursen fit machen. Was nicht ganz billig ist. "Der Test war hart", meint Mario Stefanidis, "vor allem gegen Ende". Und sein Freund Samuel Yim sagt:

    "Der Mathetest war schwieriger als erwartet."
    Und weil soviel für die Zukunft davon abhängt, wird seit Jahren immer wieder geschummelt. Erst vor fünf Monaten flog ein regelrechter SAT Ring in New York auf. Mindestens 20 Schüler hatten junge Studenten angeheuert, die für sie zu den Tests gingen. Dafür wurden im Schnitt 3.500 Dollar gezahlt.

    "Es ist schon ziemlich mies, dass wir uns durch Kurse quälen müssen, um einen guten Schnitt zu erreichen und einige einfach Leute bezahlen, die für sie die Tests bestehen"

    mault Alexander Rosenberg. Diese Tests finden nicht in den Schulen, sondern an verschiedenen Instituten und Hochschulen statt. Da die Ausweise bis jetzt nur lax geprüft wurden, war es einfach für die Betrüger, sich einzuschmuggeln. Dennoch spielt Tom Ewing, Sprecher für die Test Vereinigung, solche Betrugsfälle runter:

    "Man sollte das Ganze nicht überbewerten. Wir werden zwar nicht alle schnappen, aber wir decken die meisten Betrugsfälle auf."
    Das sehen viele Staatsanwälte inzwischen anders. Kathleen Rice, Chefanklägerin von Nassau County in New York:

    "Wir sind zwar erst am Anfang der Ermittlungen, aber das Ganze läuft inzwischen offenbar in großem Stil und sehr systematisch ab."

    Das kann man wohl sagen. Da viele amerikanische Hochschulen weltweit den Ruf haben, für eine Karriere gut zu sein, bewerben sich natürlich auch viele Ausländer. Und auch sie müssen den SAT Test und zusätzlich den TOEFL Test bestehen. TOEFL prüft die Englischkenntnisse der Kandidaten. Nach Recherchen der Nachrichtenagenturen AP und Reuters, versuchen vor allem Chinesen, Inder und Schüler aus Afrika, die Tests zu manipulieren, indem sie mit getürkten Ausweisen gut ausgebildete junge Leute zu den Prüfungen schicken. Letztendlich besetzt aber nicht selten ein Landsmann einen Studienplatz, der eigentlich gar nicht die Fähigkeiten hat.

    Wie viele Einheimische und Ausländer bei den Prüfungen betrügen, kann niemand sagen. Im letzten Schuljahr beteiligten sich fast drei Millionen Schüler und Schülerinnen am SAT Test. Kritiker sind seit Langem der Meinung, dass die Prüfungen nicht an Unis, sondern in den Schulen der Kandidaten abgehalten werden sollten. Lehrer kennen ihre Schüler und könnten Betrüger sofort ausmachen.

    Davon wollen die Betreiber nichts wissen. Die Unabhängigkeit, meinen sie, müsse gewahrt bleiben. Und sie hoffen, dass die Ausweiskontrolle mit einem aktuellen Passfoto Betrüger von vornherein abschreckt. Ob das hinhaut, wird sich zeigen müssen. Die nächsten SAT Tests stehen erst im Herbst an. Und schon jetzt haben sich die Schummler offenbar was Neues einfallen lassen.
    Noch mal Staatsanwältin Rice:

    "Wir haben gerade einen neuen Fall aufgedeckt. Ein Betrüger kam als Mädchen zum Test. Den Vornamen gibt es sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Der Testaufseher merkte das nicht, und nur durch Zufall flog die ganze Sache auf."