Sport Aktuell 26.11.2020

BiathlonSaisonstart mit neuer DopingbekämpfungVon Sebastian Krause

Beitrag hören Verfolgungsrennen beim Biathlon-Weltcup in Oberhof (Sputnik / dpa / Denis Kostyuchenko)Biathlon-Rennen in Oberhof (Sputnik / dpa / Denis Kostyuchenko)

Am Wochenende beginnt in Kontiolahti (Finnland) die neue Biathlon-Weltcupsaison. Nicht nur sportlich wird es interessant. Gut zweieinhalb Jahre nachdem die damalige Spitze des Biathlon-Weltverbandes wegen massiver Korruptionsvorwürfe zurücktreten musste, soll nun ein neues Anti-Doping-System greifen.

11. April 2018: Razzien in der Zentrale des Biathlon-Weltverbandes in Salzburg und zu Hause bei Verbands-Präsident Anders Besseberg und der Generalsekretärin Nicole Resch.

Der Vorwurf: Korruption, Bestechlichkeit. Ein Schock – sagt der deutsche Biathlet und Athletensprecher Erik Lesser:

"Dass es Anschuldigungen gab, dass die Verbandsführung involviert ist in Sachen Verschleierung von Dopingvergehen, dass ist eher etwas, was sehr schockierend war. Und wo wir auch hoffen, dass da bis zuletzt alles aufgeklärt wird."

Erik Lesser beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding 2018. (imago sportfotodienst)Erik Lesser beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding 2018. (imago sportfotodienst)

Ob Besseberg und Resch tatsächlich gegen Geld russische Dopingfälle vertuscht haben, darüber soll es bald Klarheit geben. Beide bestreiten es. Im Dezember will die externe Untersuchungskommission ihren Abschlussbericht dazu veröffentlichen.

IBU-Generalsekretärin Nicole Resch und IBU-Präsident Anders Besseberg 2017 bei einer Pressekonferenz. (dpa / Sputnik / Alexey Filippov)IBU-Generalsekretärin Nicole Resch und IBU-Präsident Anders Besseberg (dpa / Sputnik / Alexey Filippov)Unabhängig davon, was dann rauskommt, hat sich der Biathlon-Weltverband inzwischen neu aufgestellt Das Anti-Doping-System wurde ausgelagert in eine Integrity Unit. Eine Einheit, die völlig unabhängig vom Verband die Dopingtests durchführen und richtig investigativ ermitteln soll. Chef der Einheit ist ein ehemaliger britischer Polizist, Greg McKenna, der 15 Jahre Erfahrung mit organisierter Kriminalität mitbringt. Er sagt:

"Wir sind nicht nur hier, um Sportler zu testen. Wir wollen genau wissen, wie der Sport funktioniert, wer involviert ist, wer die möglichen Doping-Hintermänner sind. Wir wollen wirklich unter die Haut, unter die Felsen, um richtig graben zu können."

Trotzdem gibt es Zweifel an der neuen Struktur. Der Grund ist Franz Steinle. Er ist der Präsident des deutschen Skiverbandes, sitzt im Vorstand des Biathlon-Weltverbandes und im Vorstand der Integrity Unit. Matthias Kamber, langjähriger Anti-Doping-Chef der Schweiz, sieht hier einen potenziellen Interessenskonflikt:

"Von außen gesehen macht es natürlich einen schlechten Eindruck, wenn ein Funktionär in verschiedenen Gremien drin ist, wir haben das in der Welt-Anti-Doping-Agentur genau gleich, das ist einfach heutzutage ein Nogo, das dürfte man nicht mehr machen. Und das ist typisch so etwas, dass ein Sport dann nicht loslassen kann."

Der Präsident des Deutschen Ski-Verbandes, Franz Steinle (Angelika Warmuth/dpa/picture-alliance)Der Präsident des Deutschen Ski-Verbandes, Franz Steinle (Angelika Warmuth/dpa/picture-alliance)

Ein Interview mit Franz Steinle kann der Biathlon-Weltverband trotz mehrmaliger Nachfrage nicht möglich machen. Integrity Unit Chef Greg McKenna verspricht, dass Steinle nur eine passive Rolle hat:

"Franz soll uns lediglich auf dem Laufenden halten, was beim Weltverband gerade abgeht. Er hat keinerlei Einblick in Doping-Verfahren und das operative Tagesgeschäft. Wir sind wirklich völlig unabhängig."

Athleten-Sprecher Erik Lesser findet das neue Anti-Doping-System im Biathlon jedenfalls vorbildlich und viel transparenter:

"Ein neuer Präsident wurde gewählt, eine neue Constitution, Regelwerk, dann sind wir so als Athleten schon enger involviert, wir haben Mitspracherecht."

Denise Herrmann als Führende beim Verfolgungsweltcup im März 2020 in Kontiolahti. (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Beginn der Biathlon-Saison - "Wir können froh sein, wenn so viele Rennen stattfinden wie möglich"
Im Dlf-Sportgespräch sprechen Denise Herrmann und Arnd Peiffer über den möglichen Saisonverlauf im Biathlon unter Corona-Bedingungen, Rennen ohne Zuschauer, persönliche Grenzen und wie die Pandemie Prioritäten verschoben und neue Perspektiven eröffnet hat.

Auch die Deutsche Kreditbank DKB, einer der großen Sponsoren im Biathlon, begrüßt die Neuausrichtung, erwartet aber gleichzeitig eine umfangreiche Aufklärung und Aufarbeitung der Vorwürfe, bezogen auf die Ereignisse vorher im Verband.

Die anderen Sponsoren wie BMW, Viessmann und Erdinger alkoholfrei wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Solange der Untersuchungsbericht noch nicht veröffentlicht sei, könne man nichts dazu sagen, hieß es.

Hier hören und lesen Sie die ausführliche Fassung dieses Beitrags. Im Radio haben wir aus Zeitgründen eine kürzere Variante gesendet.

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