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Bildschirm zum Zusammenfalten

Bei den Bildschirmen erleben wir gerade einen Generationenwechsel: Die gute alte Bildröhre wird immer mehr verdrängt von Platz und Strom sparenden Flachbildschirmen. Und die nächste Revolution steht womöglich schon bevor: Displays, die sich nach Belieben biegen, aufrollen oder zusammenfalten lassen. Wie weit die Forschung damit ist, war auf der bedeutendsten Konferenzmesse für die Bildschirmtechnik zu erfahren, der SID 2004, die in dieser Woche in Seattle stattfindet.

Von Frank Grotelüschen |
    Es ist ein bisschen wie Religion. Die Leute glauben dran oder sie glauben nicht dran. Und es ist ein bisschen wie Politik: Jeder hat eine andere Meinung darüber, wo das Feld enden wird.

    Das Feld, über das der Forscher Greg Crawford hier philosophiert, betrifft eine neue Generation von Bildschirmen: Displays, die biegsam sind wie eine Alditüte. Noch streiten die Fachleute, ob sich für solche flexiblen Schirme überhaupt ein Massenmarkt findet. Doch Crawford, Professor an der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island, ist sich sicher: Es gibt höchst interessante Anwendungen.

    Ein Beispiel wäre ein Display, das man aus einem Stift herauszieht und aufrollt, um es als Bildschirm für einen Taschencomputer zu nutzen. Nach Gebrauch rollt man das Ding dann einfach wieder in den Stift ein und steckt es in die Jackentasche. Also ein äußerst kleines, leichtes und Platz sparendes Display. Mit einem herkömmlichen Bildschirm ist das natürlich nicht machbar.

    Verwendung finden könnten die verformbaren Schirme auch im Auto. Dort nämlich könnte man sie problemlos den kurvigen Konturen der Frontkonsole anpassen. Und auch in Armbanduhren oder Spielzeugen sind sie vorstellbar. Um so ein flexibles Display zu bauen, braucht es zunächst mal eines: biegsame Bildpunkte. Viele Fachleute setzen auf die OLEDs, organische Leuchtdioden. Das sind Plastikmoleküle, die farbig leuchten, wenn man eine Spannung an sie an legt. Biegsam sind die OLEDs zwar, aber:

    Die große Schwierigkeit ist, eine gute Schutzbeschichtung zu finden, sagt Crawford. Die OLEDs sind nämlich sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit. Und nun sieht es so aus, als würde sich biegsames Glas als Schutzschicht für die OLEDs eignen.

    Glas ist bekanntlich luftdicht und wasserfest. Biegsam aber ist es an sich nicht, sondern brüchig und spröde. Doch stellt man eine ultradünne Glasscheibe her, ganze 30 Mikrometer dick, dann lässt sie sich passabel biegen. Damit das Glas nicht bricht, muss es noch in eine Art Plastikfolie eingeschweißt werden.

    Doch Bildpunkte und Glasträger machen noch kein Display. Was fehlt, ist eine ebenfalls biegsame Steuerelektronik, die den Bildpunkten sagt, wann sie aufleuchten sollen und wann nicht. Hierfür verwenden die Experten so genannte Dünnschichttransistoren.

    Diese Dünnschichttransistoren werden gewöhnlich bei sehr hohen Temperaturen gefertigt, bei 350 Grad Celsius. Das verträgt sich natürlich nicht mit den Plastikleuchtdioden, die würden ja schmelzen. Deshalb gehen wir jetzt dazu über, die Transistoren mit einem Tintenstrahldrucker aufzudrucken oder mit einer Art Stempel aufzuprägen. Eine anderer Weg ist, die Transistoren wie gewohnt bei hoher Temperatur auf einem Glasträger herzustellen, sie dann aber mit einem Laser vom Glas zu lösen und anschließend auf das Plastik aufzukleben. Es gibt also zwei Ansätze. Und man wird sehen, welcher sich durchsetzt.

    Keine gewaltigen Durchbrüche aber viele kleine Fortschritte meint Greg Crawford in letzter Zeit zu verzeichnen. Und das stimmt ihn durchaus optimistisch.

    Es gibt schon diverse Prototypen – kleine Displays, die sich mit den Fingern hin- und herbiegen lassen. Deshalb denke ich, dass wir innerhalb von zwei Jahren die ersten Produkte auf dem Markt sehen werden.

    Diese ersten Produkte könnten sich in Spielsachen finden, oder auch im Pulsmesser für den Jogger. Auf das Notebook mit dem Bildschirm zum Zusammenfalten wird man aber wohl noch bis Ende des Jahrzehnts warten müssen.