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"Bildung ist der Schlüssel für Integration"

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, hat sich angesichts der neuen Pisa-Auswertung für eine umfassendere Vermittlung der Deutschen Sprache ausgesprochen. Besonders die frühe Sprachförderung von Kindern aus Migrantenfamilien sei notwendig.

    Christoph Schmitz: Was muss nach der Pisa-Auswertung der OECD konkret geschehen? Das habe ich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, gefragt.

    Maria Böhmer: Also wir haben sehr deutlich gemacht, heute auch, dass Bildung der Schlüssel für Integration ist und die Voraussetzung dafür, ist, dass die deutsche Sprache beherrscht wird, dafür will ich Ihnen drei Ansatzpunkte nennen. Der erste Ansatzpunkt ist, dass im Kindergarten der Erwerb der deutschen Sprache sehr früh gefördert werden muss, indem bundesweit in allen Bundesländern Sprachstandstests durchgeführt werden, in den Kindergärten, und dann die Kinder gezielt gefördert werden, so dass, wenn sie in die Grundschule kommen, sie dem Unterricht auch wirklich voll folgen können. Dass umfassend in der Schule die deutsche Sprache gefördert und vermittelt wird, ich erinnere an die Diskussion "Deutsch auf dem Schulhof", also Sprache ist grundlegend und der dritte Ansatzpunkt ist, wir müssen die Eltern stärker einbeziehen, denn die Sprachübung, die Sprachbeherrschung muss gefördert werden durch das Elternhaus und deshalb ist es so wichtig, dass wir uns gerade an Mütter wenden, dass die Eltern ihre Kindern auf dem Bildungsweg mit begleiten können.

    Schmitz: Wann werden diese beiden Punkte, ganz praktisch, konkret Wirklichkeit sein?

    Böhmer: Also, die Bundesländer haben ja die Weichen sehr deutlich gestellt, in punkto frühe Sprachförderung im Kindergarten, hier kennen wir viele positive Beispiele. Jetzt kommt es auch darauf an, noch einmal zu untersuchen, welche Wege sind die effektivsten, aber hier bin ich mir sicher, dass wir in allen Bundesländern sagen können, man sieht die Notwendigkeit der frühen Sprachförderung als grundlegend für Kinder mit Migrationshintergrund um ihnen allen Chancen zu geben. Wir müssen die Hauptschulen stärken. Und gerade dort muss die Sprachförderung weiter vorangetrieben werden, das heißt, wir brauchen entsprechend ausgebildete und fortgebildete Lehrer, wir brauchen auch diejenigen, die dieses unterstützen, und das Berliner Beispiel der Hoover- Realschule, die gesagt hat, "Deutsch auf dem Schulhof", dieses Beispiel muss Schule machen.

    Schmitz: Wird die Sprachförderung bis Ende des Jahres praktisch umgesetzt werden im Schulischen?

    Böhmer: Also wir streben vonseiten der Bundesregierung einen Integrationsgipfel an, der noch im Sommer stattfinden soll. Und hier geht es darum, sämtliche Initiativen auf Bundesebene, Länderebene und kommunaler Ebene zu bündeln, zu sammeln und vor Ort auch anzubringen und dann soll dieses zusammengefasst werden in einem nationalen Aktionsplan für Integration. Wir brauchen eine durchgängige, systematische Sprachförderung vom Kindergarten, über die Schule bis hin zur beruflichen Bildung.

    Schmitz: Noch mal, Frau Böhmer, bis wann wird es die konkret in den Schulen in Deutschland und in den Kindergärten geben?

    Böhmer: Also wir haben ja jetzt schon die Situation, dass in den Kindergärten eine solche Sprachförderung stattfindet. Und dort ist es Sache der Länder und der Kommunen dieses zu realisieren. Was den schulischen Bereich angeht, so wurde heute noch einmal sehr deutlich gemacht von dem Vertreter der KMK, dem Senator Böger, dass das Interesse der Länder, hier zur Verbesserung zu kommen, sehr deutlich ist. Es sind bereits Maßnahmen eingeleitet. Denn nach den ersten Ergebnissen von Pisa, haben die Länder entsprechende Entscheidungen getroffen. Die gilt es jetzt zu verstärken. Wir müssen aber die Bedingungen in den Ländern sehen und das ist Ländersache.

    Schmitz: Maria Böhmer war das, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.