Gedenken an den Holocaust
Bildungsstättenleiter Mendel: "Digitalen Raum nicht rechtsextremen Gruppen überlassen"

In der kommenden Woche jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen durch sowjetische und polnische Soldaten zum 81. Mal. Laut dem Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, wird das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus zunehmend zu einer Herausforderung.

    Meron Mendel bei der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an ihn und seine Frau, die Politologin Saba-Nur Cheema, in Hamburg.
    Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, sieht das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus zunehmend als Herausforderung. (IMAGO / epd / IMAGO / Stephan Wallocha)
    Es gebe immer weniger Zeitzeugen, die vom Völkermord an den Juden berichten könnten, sagte Mendel im Deutschlandfunk. Zudem nähmen rechtsextremistisch und antisemitisch motivierte Anschläge auf die Gedenkstätten zu. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 habe man es auch mit Vorfällen zu tun, die einen propalästinensischen Hintergrund hätten.

    Mendel: Junge Menschen wissen oft wenig über die deutsche NS-Vergangenheit

    Mendel nannte es erschreckend, dass oft junge Menschen wenig von der NS-Vergangenheit Deutschlands wüssten. Dies liege unter anderem an den Sozialen Medien. Die Schülerinnen und Schüler konsumierten dort Inhalte, die auf Verschwörungsmythen basierten und die Geschichte verzerrten. Den digitalen Raum dürfe man daher unter keinen Umständen rechtsextremen Gruppen überlassen, erklärte Mendel.

    Zehntausende Menschen starben im KZ Sachsenshausen

    Das Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg nördlich von Berlin wurde 1936 als Modell- und Schulungslager der SS in Betrieb genommen. Ab 1938 fungierte es als Verwaltungszentrale aller NS-Konzentrationslager. Bis zur Befreiung am 22. April 1945 waren dort mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende starben an den Haftbedingungen, durch medizinische Experimente oder wurden ermordet. Um die Befreiung der Häftlinge zu verhindern, trieb die SS im April 1945 mehr als 30.000 von ihnen auf Todesmärsche Richtung Nordwesten.
    Diese Nachricht wurde am 18.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.