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Bildungsstandards und Lehrermobilität

Die Schulvergleichsstudie der Kultusministerkonferenz zeigt, dass es in Sachen Bildung noch einiges zu verbessern gibt. Der Verband Bildung und Erziehung bezeichnet die Ergebnisse des Tests als Beleg für "dringenden Handlungsbedarf" und fordert vor allem Konsequenzen für die Lehrerausbildung.

Von Jürgen König | 11.10.2013

Die Lehrer machen den Unterschied, darin sind sich auch Bildungsforscher und -politiker einig; und nichts sei derzeit, um den Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler grundlegend zu heben, so wichtig wie die verbesserte Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften. Einen "klaren Auftrag an die Politik" sieht die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen:

"Wenn ein Land nicht gut abschneidet oder ein Land besser abschneidet, dann werden zwei Prozesse in Gang kommen. Das eine ist, das natürlich alle schauen und natürlich auch die Wissenschaft befragen werden: "Was machen die Länder, die gut abgeschnitten haben, anders?" Sie werden dann allerdings auch die Frage danach stellen: "Was ist denn davon übertragbar?" Weil es eben auch nicht so ist, dass alles, was in einem Land anders läuft, auf ein anderes Land ohne Weiteres übertragbar ist! Aber dieser Prozess wird in Gang kommen."

Der Verband Bildung und Erziehung, eine der zwei deutschen Lehrerorganisationen, sieht die Studie als Beleg für "dringenden Handlungsbedarf" an. Lehrermangel und nicht fachgerechter Einsatz der Lehrkräfte in den Schulen dürften "weder schön geredet und noch viel weniger schön gerechnet werden". Auch die Berechnungen der Länder, wie viele Lehrer gebraucht würden, müssten auf den Prüfstand. Und: Ein intensiver Praxisbezug während der gesamten Ausbildung sei nötig. Das findet auch Brunhild Kurth, die parteilose Kultusministerin Sachsens, jahrelang Lehrerin der Fächer Biologie und Chemie: Gerade die seinerzeit sehr praktisch orientierte Ausbildung mache noch heute die Qualität der in der DDR ausgebildeten Lehrer aus.

"Nichts ist schlimmer, als wenn ein junger Mensch Lehramt studiert und beim Eintritt in die Schule erkennt, dass dieser Beruf nichts für ihn ist."

Petra Stanat vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, das die Studie erarbeitete, betont, man dürfe aus den Ergebnissen nicht den Schluss ziehen, dass alle Schulen eines Bundeslandes – je nach Abschneiden - gleichermaßen gut oder weniger gut seien. Aber bei der Schulwahl sollten Eltern in Zukunft noch sehr viel genauer hinsehen.

"Als Elternteil würde ich mir die Schulen im Hinblick darauf angucken, was machen sie, um Unterrichtsqualität sicherzustellen? Also zum Beispiel: Inwieweit arbeiten die Mathematiklehrer zusammen und bereiten ihren Unterricht gemeinsam vor? Gibt es eine Vorstellung von gutem Unterricht in der Fachgruppe Mathematik, in der Fachgruppe Naturwissenschaften? Wichtig ist natürlich auch sind solche Dinge, wie kulturelle Bildung usw., aber häufig wird übersehen, dass gerade die Fachlichkeit wichtig ist dann für gute Leistungen."

Eine der Hauptvoraussetzungen, den Lehrerberuf attraktiv zu machen, ist die Mobilität von Lehrern und Lehramtsabsolventen. Bisher waren Bundesländer nicht verpflichtet, die Abschlüsse in anderen Bundesländern anzuerkennen – damit soll nun endgültig Schluss sein, sagt Stephan Dorgerloh, SPD, Kultusminister Sachsen-Anhalts und bis Jahresende noch Präsident der Kultusministerkonferenz:

"Wir haben noch mal verabredet, dass die letzten Hindernisse, die noch da waren, das waren nicht mehr viele, wirklich auch aus dem Weg geräumt werden, das hei9sst: wenn ich am ende meiner Lehrerausbildung bin, also auch nach dem Referendariat, kann ich mich bundesweit überall bewerben und kann auch überall genommen werden."

Kann oder muss jemand überall genommen werden, das war jahrelang die entscheidende Frage – also?

"Nein, wir erkennen jetzt tatsächlich die Abschlüsse verbindlich bundesweit an, das heißt also, wenn man sich im Bewerbungsverfahren durchsetzt, dann wird man auch genommen."

Die Lehrerausbildung deutlich zu verbessern, wird ein steiniger Weg. Für das zweite grundlegende Problem, das auch diese Studie wieder offenbart, dass der Bildungserfolg nach wie vor "signifikant an die soziale Herkunft" gebunden ist - dafür ist überhaupt keine Lösung in Sicht.