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Biobauern in Frankreich

Frankreich ist Europäischer Spitzenreiter bei Agrar-Produkten, aber gleichzeitig europäisches Schlußlicht beim Bio-Anbau. Der Abgeordnete Martial Saddier hat auf Antrag des französischen Landwirtschafts-Ministers Hervé Gaymard nun einen Untersuchungs-Bericht vorgelegt, der den ehrgeizigen Titel trägt: "Die Wiedereroberung des europäischen Spitzenplatzes beim Bio-Anbau”. Martial Saddier:

Von Siegfried Forster |
    Die Lage sieht so aus, daß in Frankreich derzeit nur 1,4 Prozent der Anbauflächen biologisch bestellt werden. Während die Länder der Europäischen Union bei fast zehn Prozent liegen. Frankreich liegt damit an 25. Stelle weltweit und an 13. Stelle in Europa. Obwohl Frankreich in den 80er Jahren in Europa Spitzenreiter beim Bio-Anbau war.

    Das Ziel soll mit Hilfe eines Maßnahmen-Katalogs erreicht werden, der 15 Punkte umfaßt: dieser reicht von einem besseren Image für Bio-Produkte, den Abbau der als übertrieben streng empfunden französischen Interpretation der EU-Regelungen, einem Observatorium, das besser zwischen Angebot und Nachfrage vermitteln soll und einem nationalen Hilfs-Plan für Bio-Bauern. Joseph Templier leitet einen Zusammenschluß von über 300 Bio-Bauern in Frankreich:

    Nach der Umstellungs-Phase auf Bio, die spezifische Kosten mit sich bringt, brauchen wir unbedingt Hilfen für die Bio-Praxis. Außerdem sind wir auf wirkliche Kommunikations-Kampagnen angewiesen. Bisher hat sich die Bio-Landwirtschaft in Frankreich nur entwickelt, wenn die normale Landwirtschaft für Lebensmittel-Skandale sorgte: BSE, Dioxin-Skandal, Maul- und Klauen-Seuche usw., aber in Frankreich ist bisher niemals für Bio-Produkte geworben worden. Da gibt es meines Erachtens einen großen Bedarf.

    Der Vertrieb der Bio-Produkte ist ein weiterer Schwachpunkt der französischen Bio-Branche. Im Jahr 2002 fanden beispielsweise 21 Millionen Liter französische Bio-Milch keinen Abnehmer. Gleichzeitig gelang es den besser organisierten deutschen Händlern, 28 Millionen Liter deutsche Bio-Milch in Frankreich zu verkaufen. Martial Saddier:

    Wir müssen den Bauern die Mittel bereitstellen biologisch erzeugen zu können. Das gleiche gilt für die Weiterverarbeitungs-Industrie und den Händlern. Anschließend werden die Marktanteile automatisch kommen. Wir dürfen nicht den Fehler der Territiorialen Bewirtschaftungs-Verträge (CTE) begehen: damals wurden viele dazu animiert, auf Bio umzustellen, aber ohne, daß der Markt darauf vorbereitet wurde, daß die Bio-Milch dann auch vertrieben und verkauft werden kann.

    Vielen im Lande ist die Existenz der Bio-Bauern bisher eher unangenehm, weil sie die Schwächen der französischen Landwirtschaft offenbart: Frankreich - und der amtierende Präsident Chirac an erster Stelle - hat jahrzehntelang auf eine finanziell erfolgreiche Intensiv-Landwirtschaft gesetzt, die allerdings immer öfter an ihre Grenzen stößt: die französischen Bauern verbrauchen europaweit am meisten Düngemittel und Pestizide, in vielen Regionen Frankreichs sorgen überhöhte Nitrat-Werte für ungenießbares Trinkwasser.

    Dem Öko-Landbau soll nun auch mit Hilfe ungewöhnlicher Maßnahmen ein besseres Image verschafft werden. Martial Saddier:

    Warum nicht in den französischen Übersee-Gebieten eine Bio-Insel gründen? Warum nicht einen globalen Ansatz wählen? Bei den Übersee-Territorien handelt es sich oftmals um sehr isolierte Gegenden - mit sehr spezifischen Problemen, was den Anbau von Rohrzucker oder die Herstellung von Rum angeht. Wir haben von vielen Bauern gehört, daß sie sich vorstellen könnten, mit Hilfe der Biologischen Landwirtschaft ein neues Insel-Image zu kreieren im Hinblick auf ein Produkt. Dadurch könnten die Bauern davon leben und die gesamte Insel könnte ihr Image im Hinblick auf die Touristen verbessern.

    Der Bio-Förderungs-Plan soll spätestens im Herbst von der französischen Regierung verabschiedet werden.