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Biografien
US-Präsidenten als Filmstars

Die Präsidenten der USA waren immer schon ein Thema für das Kino. Meist behandelten die Filme deren Amtszeit - im Falle Barack Obamas kommen nun zwei Werke über den Politiker zu Beginn seiner Karriere auf die Leinwand.

Von Michael Meyer | 15.12.2016

Barack Obama (Parker Sawyers) umarmt Michelle Robinson (Tika Sumpter) bei ihrem ersten Date im Film "My First Lady"
Michelle Robinson (Tika Sumpter) und Barack Obama (Parker Sawyers) bei ihrem ersten Date im Film "My First Lady" (capelight pictures)
Natürlich ist normalerweise die Amtszeit eines Präsidenten das spannendste Moment für Drehbuchautoren und Regisseure. Im Falle Obamas sieht Hollywood das nicht so. Gleich zwei Filme befassen sich mit den jungen Jahren Obamas. "My first Lady", im Original "Southside with me", spielt an einem einzigen Tag 1989 in Chicago, als Barack Obama seine künftige Frau Michelle kennenlernt.
Ausschnitt aus "My first Lady":
"Und wieso bist Du dann nach Chicago?"
"Ich wollte was verändern."
"Das wollte ich auch….Frauen helfen, ihnen eine Stimme geben."
"Wir beide haben viel gemeinsam…"
Der Film ist ein manchmal recht kitschiges Porträt des künftigen Präsidenten und der First Lady, auch wenn Themen wie Klasse, Rasse und Geschlecht durchaus verhandelt werden.
"Barry"
Etwas nüchterner porträtiert "Barry" den heutigen Präsidenten, ein Film, der nun bei Netflix zu sehen ist. "Barry" setzt früher ein, 1981. Barack Obama ist gerade nach New York gezogen, um an der Columbia University Politik zu studieren. Der junge Obama ist noch völlig unsicher über seine Rolle in der Welt.
Barrys Suche nach Identität ist das zentrale Thema des Films, denn Barack Obama trägt viele verschiedene Identitäten in sich: Geboren in Hawaii, einige Jahre in Indonesien gelebt, die Mutter eine Weiße aus Kansas, die im Film auch auftaucht, der Vater ein Kenianer, der sich früh von der Mutter getrennt hat.
Ausschnitt aus "Barry":
"Do you know what that makes you young brother?"
"I don't…I really don't…"
"That makes you American. And you don't ever have to choose."
Da Obama schon in seinen frühen Jahren offenbar völlig skandalfrei gelebt hat, bleibt für die Drehbuchautoren nicht viel zu erzählen. Beide Filme sind zuweilen etwas langweilig, weil kaum etwas die Handlung vorantreibt. Da ist Obamas Präsidentschaft spannender: Etwa die Geschichte der Liquidierung Bin Ladens. Regisseurin Katrhyn Bigelow machte daraus 2012 "Zero Dark Thirty" - allerdings ohne Präsident Obama überhaupt zu erwähnen.
"Primary Colors"
Besondere äußere Umstände, die die jeweilige Präsidentschaft belasteten, sind ohnehin die spannendsten Filmstoffe: Nixon und Watergate, George W. Bush und sein Krieg gegen die "Achse des Bösen". Clinton und Monica Lewinsky.
Ausschnitt aus "Primary Colors":
"I did not have sexual relations with that woman…these allegations are false."
Clintons "Monica-Gate" ging in die Geschichte der USA ein, war aber auch Kinostoff. Noch im selben Jahr 1998 kam Mike Nichols Politsatire "Primary Colors" in die Kinos. Darin spielt John Travolta den demokratischen Kandidaten Jack Stanton. Ein Film über Fälschungen, Illoyalitäten und natürlich um die Frage, inwieweit die Vorwürfe und Gerüchte an dem Kandidaten kleben bleiben.
"Ich tue jetzt etwas wirklich Skandalöses— ich sage die Wahrheit."
Der Film ist aber, auch aufgrund von Travoltas eher flacher Darstellung, keine sehr aufschlussreiche Politsatire über die Clinton-Jahre.
"Lincoln"
Dass schon vor 150 Jahren intrigiert, gehetzt und gemordet wurde, beweist die Figur des US-Präsidenten Abraham Lincoln. Gleich 40 Mal wurde Lincolns Präsidentschaft in Filmen thematisiert, zuletzt 2012 in dem Spielfilm von Steven Spielberg.
Ausschnitt aus "Lincoln":
"Die Abschaffung der Sklaverei besiegelt das Schicksal von Millionen, die heute Leibeigene sind, und von Millionen, die noch kommen… "
Lincoln ist der Prototyp des rechtschaffenen, sich gegen alle Widrigkeiten durchkämpfenden Präsidenten, den Daniel Day-Lewis kongenial wortkarg spielt. Und er ist eine Ikone der amerikanischen Gesellschaft, auf die sich Demokraten und Republikaner gleichermaßen einigen können. Bei "Barry" Barack Obama ist das derzeit kaum denkbar.
"JFK"
Auch John F. Kennedy wurde etliche Male in Filmen porträtiert, es ging um seinen Weg zur Präsidentschaft, die Kuba-Krise 1962, oder die bis heute nicht aufgeklärte Ermordung. In "JFK" von Oliver Stone führt er die These weiter, dass der Attentäter Lee Harvey Oswald kein Einzeltäter war.
Ausschnitt aus "JFK":
"Alles war wie erstarrt….es schien als ob niemand mehr atmete…Soll mir bloß keiner erzählen, dass der Oswald-Junge die Schüsse aus dem Lagerhaus abgefeuert hat…"
"Nixon" und "W"
Oliver Stone hatte sich bereits zuvor in "Nixon" mit dem Ende der Nixon-Präsidentschaft beschäftigt. Und 2008 brachte Stone auf sehr böse Art die Karriere George W. Bushs auf die Leinwand, den Stone als Verlierer und unsicheren Sprössling einer reichen Familie porträtiert.
"Trump"?
Eines ist sicher: Auch das Leben des künftigen Präsidenten Trump gilt schon jetzt als filmreifes Material, und das, obwohl seine Präsidentschaft noch nicht einmal begonnen hat. Man darf gespannt sein, was Hollywood daraus macht.