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StartseiteForschung aktuellVon Rabenkrähen und dem eigenen Naturpark20.05.2015

Biologe Norbert JorekVon Rabenkrähen und dem eigenen Naturpark

Reihe "50 Jahre Jugend forscht", Teil 3

1971 nahm Norbert Jorek bei "Jugend forscht" teil - und holte damals den vierten Platz im Bereich Biologie. Sein Thema: Verhaltensforschung bei Rabenkrähen. Vögel beobachtet er immer noch gerne: in seinem eigenen Naturpark in Ibbenbüren.

Von Michael Böddeker

In den Abendhimmel startet am Dienstag in Hannover eine Rabenkrähe von einer Straßenlaterne aus. (picture-alliance/ dpa - Peter Steffen)
Norber Jorek machte mit Rabenkrähen Versuche, bei denen die Tiere verschiedene Behältnisse öffnen sollten - und sich intelligent anstellten. (picture-alliance/ dpa - Peter Steffen)
Weiterführende Information

"Mr. PISA" Andreas Schleicher - "Jugend forscht hat bei mir sehr viel bewirkt"
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 19.05.2015)

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(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 18.05.2015)

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(Deutschlandfunk, Reihen und Schwerpunkte, 18.05.2015)

Norbert Jorek beobachtet zwei Möwen. Sie sitzen direkt hinter der Glasscheibe einer Aussichtsplattform.

"Wir haben eine Seekanzel gebaut. Von da aus kann man sich angucken, was da in dieser Wasserwildnis, die wir angelegt haben, passiert. Im Augenblick gibt es ein paar irre Silbermöwen, die vor der Seekanzel balzen, weil sie sich ein wenig in den Scheiben spiegeln. Und das ist eine völlig tolle Show für die Leute, dass 20 cm vor ihnen Natur passiert."

Die Seekanzel ist einer der Lieblingsplätze des Biologen. Es ist eine halbrunde Aussichtsplattform aus Holz, mit breiten Panorama-Fenstern in Richtung See. Norbert Jorek trägt Jeans und ein kariertes Hemd, die Ärmel hochgekrempelt. Er lächelt, als er sich die beiden balzenden Möwen ansieht. Ab und zu hacken sie mit dem Schnabel gegen die Scheibe.

"Wir haben hier verspiegeltes Glas eingebaut. Das heißt, die Möwen, die hier draußen sitzen, sehen nur sich, mich aber nicht. Wir haben in der Spitzenzeit über 100 Wildgänse, die hier übernachten. Dann viele Kormorane und Eisvögel brüten hier. Es ist eine sehr nette Landschaft geworden."

Faszination für Vögel

Vögel faszinieren Norbert Jorek schon seit seiner Kindheit. 1971 nimmt er mit seinen eigenen Krähen bei Jugend forscht teil.

"Als ich dann mal zu einigen Rabenkrähen kam, hab ich dann diverse Versuche damit gemacht, die tja, wissenschaftlich ... sie haben die Welt nicht verändert, sagen wir das mal so. Aber sie waren spektakulär gemacht, weil jene Krähen verschiedene Behältnisse öffnen konnten. Und sich dabei sehr intelligent angestellt haben."

Geschickt lösen die Krähen eine Aufgabe nach der anderen. Futter gibt es erst ganz zum Schluss. Das schafft nicht jeder Vogel. Im gleichen Test schneidet ein Königsgeier aus dem Münsteraner Zoo deutlich schlechter ab.

"Das war eher frustrierend, weil - so ein Geier sitzt den ganzen Tag auf irgendeinem Baum und wartet darauf, dass dieses verdammte Pferd endlich stirbt, damit er satt wird. Das ist natürlich keiner, der von sich aus einen Drang hat, viel zu lernen und irgendwo selber eigene Energie reinzustecken. Das ist bei den Krähen anders. Sie sind richtig schlau. Und man braucht eigentlich als Tier schon einiges Durchhaltevermögen, um das zu machen."

Durchhaltvermögen und Naturschutzgebiete

Norbert Jorek ist jedenfalls mehr Krähe als Geier. Sein Unternehmen hat er über mehrere Jahrzehnte hinweg aufgebaut.

"Ich habe überhaupt keine Probleme damit, mal 10, 15 Jahre an einem Projekt zu arbeiten, auch 15, 16 Stunden am Tag zu arbeiten. Dieser Park hier, den wir gemacht haben, ist nur aus diesem Grunde so entstanden."

Durchhaltevermögen braucht Norbert Jorek auch, als er sich für mehr und größere Naturschutzgebiete einsetzt.

"Auch da wird diese Jugend-forscht-Aura einen gewissen Beitrag dazu geliefert haben, dass ich da ein anderes Standing hatte, in diesen Verhandlungen. Und wir haben für sehr viel Geld, für zig Millionen Flächen rausgehandelt, auf denen heute irgendwelche Wiesenvögel brüten."

Sein eigener Park erfüllt inzwischen gleich mehrere Zwecke auf einmal. Die vielen kleinen Teiche zum Beispiel sind auch Ausstellungsobjekte. Denn in erster Linie verkauft Norbert Joreks Firma Anleitungen und Material zum Bau von Gartenteichen. Zugleich ist das Gelände ein Ausflugsziel - genau wie auch ein besonders großer künstlicher See für Hobbytaucher. Für gute Sicht sorgen Filter und Pumpen.

"Für uns ist das wieder - Stichwort Synergie-Effekte - eine Referenz, dass wir in der Lage sind, auch 30.000 Kubikmeter Wasser auf eine Sichtweite von fünf Metern zu bringen. Das kann auch nicht jeder. Insofern passt da alles sehr gut zusammen."

Mit so viel Selbstbewusstsein, wie Norbert Jorek es hat, eckt man schnell mal bei anderen Menschen an.

"Heute weniger, weil ... ich sag mal, da geht die Welt an die Seite. Aber in der Schulzeit immer, klar. Als Klassensprecher in den 68er-Jahren gab's nur Ecken. Da gab's nichts anderes."

Zusammen mit seiner Frau, einem Hund und einer Katze wohnt Norbert Jorek auch im Park. Das bedeutet: Am Ende des Tages, wenn die Besucher wieder weg sind, hat er das Gelände ganz für sich allein.

"Ab sieben, acht Uhr gibt's hier nur noch mich und die Viecher, und das ist ok so."

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