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StartseiteForschung aktuellBlätterschutz für Neuronen25.02.2005

Blätterschutz für Neuronen

Naturstofftage diskutieren Wirkung von Gingko-Extrakten

<strong>Neurologie. – Die Naturstoffmedizin wird in der westlichen Welt immer populärer. Spitzenreiter der genutzten Pflanzen ist der Gingko, eine uralte Baumgattung. Das Extrakt seiner Blätter soll vor allem dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, behaupten die Hersteller. Die Wirkung des Gingko war eines der Themen auf den "Irseer Naturstofftagen", die zurzeit in der Nähe von Kaufbeuren im Allgäu stattfinden.</strong>

Ginkgo, ein Wirkstoff aus der Natur verspricht gewissen Schutz vor Alzheimer. (AP)
Ginkgo, ein Wirkstoff aus der Natur verspricht gewissen Schutz vor Alzheimer. (AP)
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Was den Untergang der Gehirnzellen bei der Alzheimer’schen Krankheit letztendlich verursacht, ist der Wissenschaft weiterhin unbekannt. Die bekannten Eiweißablagerungen spielen sicherlich eine Rolle, doch auch freie Sauerstoffradikale scheinen ihren Anteil an der fortschreitenden Zerstörung des Hirngewebes zu haben. Für Anne Eckart von der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel ist die Schädigung der Mitochondrien, der zelleigenen Kraftwerke, der bislang unterschätzte Baustein, der zum Krankheitsgeschehen bei Alzheimer-Patienten beiträgt. Weil das Gehirn etwa zwei Drittel der Körperenergie benötigt, sind funktionsfähige Mitochondrien dort besonders wichtig. Genau die schützen die Wirkstoffe aus dem Ginkgo-Baum – zumindest in einer Zellkultur. Eckart: "Wir konnten feststellen, dass Ginkgo-Extrakt die Mitochondrien der Zellen vor oxidativen Schäden schützen kann, und zwar bevor die Zellen geschädigt werden." Aber selbst zur Linderung bereits bestehender Schäden scheint sich Gingko-Extrakt zu eignen.

Dabei gibt es zwar einzelne Bestandteile, denen man eine gewisse Wirkung zuordnen kann, aber wie häufig in der Naturstoffmedizin ist es die Mischung aus allen Bestandteilen, die am besten wirkt. Ob sich allerdings die Laborergebnisse auf Patienten übertragen lassen, ist noch die große Frage. Klinische Daten sind noch ausgesprochen spärlich. Eckart: "Die Problematik ist, dass es sich bei Ginkgo um ein Arzneimittel handelt, das schon seit vielen Jahren auf dem Markt ist. Im Vergleich zu neueren Substanzen haben wir also viele alte Studien, die nicht mehr dem heutigen Standard der Medizin entsprechen." Daher wird Gingko von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzte erst dann empfohlen, wenn die modernen Pharmaka nicht mehr helfen oder nicht eingesetzt werden können.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfiehlt deshalb, Alzheimer-Patienten zunächst moderne Pharmaka zu verordnen. Ginkgo wird nur dann als Alternative empfohlen, wenn diese neuen Alzheimer-Medikamente nicht helfen oder wegen ihrer Nebenwirkungen nicht vertragen werden. Doch gerade in der Kombination mit anderen Wirkstoffen sieht die Ärztin aus der Schweiz eine mögliche Zukunftschance: "Wir haben Medikamente, die an unterschiedlichen Mechanismen der Krankheit ansetzen, so dass wir synergistische Effekte erwarten können, die den Patienten nutzen könnten."

[Quelle: Hellmuth Nordwig]

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