New York
"Blamage", "Quittung", "Niederlage": Das sind die Reaktionen in Deutschland nach dem Scheitern bei der Abstimmung für einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat

"Herbe Niederlage", "Blamage", "Quittung für Merz und Wadephul": Die Reaktionen in der deutschen Politik auf die Niederlage bei der Wahl der nichtständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates fallen deutlich aus. Österreich und Portugal dagegen feiern ihren Erfolg.

    Portrait von Friedrich Merz, das am rechten Bildrand sitzt.
    Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU (imago / Political Moments )
    Bundeskanzler Merz erklärte nach der Abstimmung, man habe das Ziel nicht erreicht. Das Ergebnis ändere nichts an den Aufgaben, die Deutschland in der UNO gestellt würden. Man bleibe ein verlässlicher Stützpfeiler des multilateralen Systems: "Diese Verantwortung tragen wir mit Entschlossenheit."

    Wadephul lehnt persönliche Konsequenzen ab

    Außenminister Wadephul, der in New York bis zuletzt für die deutsche Kandidatur geworben hatte, sagte, die Bundesrepublik sei spät in das Rennen im die zwei zu vergebenden Sitze in der entsprechenden Ländergruppe eingestiegen. Zitat: "Wir waren von Beginn an im Nachteil." Zudem könne es Deutschland Stimmen gekostet haben, dass die Bundesregierung im Nahostkonflikt "immer eine besondere Verantwortung für Israel wahrnehmen muss". Persönliche Konsequenzen schloss Wadephul aber aus, er habe sich "nichts vorzuwerfen".
    Der CDU-Außenpolitiker Hardt riet dazu, sich künftig frühzeitig mit den anderen europäischen Ländern abzusprechen, um konkurrierende Bewerbungen zu vermeiden.

    Möller (SPD): "Völkerrechtswidriges Verhalten als solches benennen"

    Auch vom Koalitionspartner kamen klare Worte. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Möller sagte den Funke Medien, das Ergebnis sei "deutlich und enttäuschend." So müsse der deutsche Einsatz für globale Stabilität, für die regelbasierte internationale Ordnung und für das Völkerrecht noch klarer werden. Zitat: "Für mich heißt das auch, dass die Bundesregierung völkerrechtswidriges Verhalten als solches benennt, unabhängig davon, wer dies in Frage stellt."

    Opposition kritisiert Merz und Wadephul scharf

    In der Opposition wurde das Ergebnis einhellig als schwere Niederlage für Merz und Wadephul bewertet. AfD-Chefin Weidel schrieb auf X, eine Blamage folge auf die nächste: "Wollte Merz unser Land zu Beginn seiner Kanzlerschaft 'zurück auf die internationale Bühne' bringen, bleibt Deutschland nun ohne Sitz im UN-Sicherheitsrat."

    Brantner (Grüne): Quittung für Außenpolitik, die an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat

    Grünen-Chefin Brantner sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das Ergebnis sei eine Niederlage für Merz und Außenminister Wadephul - und die Quittung für eine Außenpolitik, die international an Glaubwürdigkeit eingebüßt habe: "Wer sich um einen Sitz im Sicherheitsrat bewirbt, muss die Vereinten Nationen und ihre Werte auch dann verteidigen, wenn es unbequem wird. Es reicht nicht, bei internationalen Krisen an der Seitenlinie zu stehen oder das Völkerrecht nur dann zu verteidigen, wenn es politisch gerade passt."

    Schwerdtner (Linke): Zum Bruch des Völkerrechts geschwiegen

    Ähnlich kritisch äußerte sich auch die Partei "Die Linke". Deren Vorsitzende Schwerdtner sprach bei t-online ebenfalls von einer "Schlappe für den sogenannten Außenkanzler Friedrich Merz". Das Ergebnis sei auch die Quittung dafür, dass Deutschland in den entscheidenden Konflikten dieser Tage den Mund gehalten und Völkerrechtsbrüche nicht eindeutig benannt habe: "Ob Gaza, Venezuela oder Iran-Krieg: Deutschland hat zum Bruch des Völkerrechts geschwiegen, wenn die USA oder Israel sie begangen haben. Das sind Musterbeispiele für doppelte Standards. So gewinnt man keine Wahlen bei der UNO."

    Österreich: "Erfolg eines 15 Jahre langen Wahlkampfes"

    Österreich und Portugal feierten ihren Erfolg. Die österreichische Außenministerin Meinl-Reisinger sagte in New York, der Sieg sei Resultat einer "intensiven und koordinierten Werbekampagne" und eines 15 Jahre langen Wahlkampfes. Portugals Außenminister Range erklärte, der Einsatz für die Prinzipien der Vereinten Nationen und den Multilateralismus habe sich für das Land ausgezahlt.
    Diese Nachricht wurde am 03.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.