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StartseiteWirtschaft und GesellschaftBlase oder neuer Boom?02.02.2012

Blase oder neuer Boom?

Was Silicon Valley vom Facebook-Börsengang hält

Mit Facebook steht in diesem Jahr einer der größten Börsengänge aller Zeiten an. Die Anleger sind in Hochstimmung. Doch neben Euphorie herrscht auch Sorge, dass neue Internet-Aktien nichts taugen.

Von Beatrice Uerlings

Hop oder Top? Das soziale Netzwerk Facebook geht an die Börse (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Hop oder Top? Das soziale Netzwerk Facebook geht an die Börse (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
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Status: Börsengang
Wall Street im Facebook-Fieber

Das Aktiendebüt von Facebook markiert einen neuen Höhepunkt in der rezenten Netzeuphorie. 2011 wagten rund ein halbes Dutzend US-Internetfirmen den Sprung an die Börse. Sie erzielten dabei Megabewertungen, vor denen selbst so manches bewährte Traditionsunternehmen verblasst. Paradebeispiel LinkedIn: Das Karrierenetzwerk war bei seiner IPO im Mai letzten Jahres zwischenzeitlich mehr wert als die Deutsche Lufthansa. Experten betrachten die Entwicklung mit Sorge. Denn im Gegensatz zu Facebook sind die meisten, neuen Internetüberflieger nicht profitabel, seufzt der Marktforscher Lee Simmons.

"Vieles erinnert an die Internet-Blase der späten 90er-Jahre. Damals wie heute wird die Euphorie von den Risikogeldgebern angefeuert. Ihre Investments rentieren sich schließlich nur dann, wenn die Firmen, denen sie Startkapital zur Verfügung gestellt haben, an die Börse gehen."

Ein weiterer Knackpunkt: Die neu emittierten Internetfirmen können ihre ursprüngliche Bewertung nur selten halten. Die LinkedIn-Aktie wird inzwischen gut 20 Prozent unter ihrem Ausgabepreis gehandelt. Auch mit dem Schnäppchenportal Groupon und dem Internetradio Pandora machen die Anleger Verluste. Langfristig sieht Michael Aronson, Dozent an der renommierten Wharton School of Business, aber doch Potenzial bei den Vertretern der zweiten Dotcom-Ära.

"Die Unternehmen, die in diesen Tagen von sich reden machen, sind alles andere Fantasiegebilde. Anders als die Startups der Jahrtausendwende kommen sie nicht nur mit blumigen Versprechen daher. Sie haben funktionierende Konzepte mit echten Kunden und echten Einkünften."

Gegen das Szenario einer neuen Blase spricht auch, dass sich die allgemeine Geschäftslage im Silicon Valley wieder aufhellt. 2010 war für die 150 wichtigsten Unternehmen des kalifornischen High-Tech Mekka das profitabelste Jahr ihrer Geschichte. Die Gewinne schnellten um fast 80 Prozent nach oben. Der Analyst Dan Olds schreibt den Aufschwung vor allem den wieder erstarkenden Exporten zu, die im Silicon Valley die Hälfte der Wirtschaftskraft ausmachen:

"Während der Krise haben viele Kunden Bargeldreserven gehortet. Jetzt aber sitzen die Geldbeutel wieder lockerer, längst fällige Technologie-Investitionen werden endlich in die Tat umgesetzt."

Und so nimmt der Hype immer größere Ausmaße an. Neben Facebook haben für 2012 noch mindestens 15 andere Internet-Unternehmen ihren Börsengang angekündigt. In den Startlöchern stehen unter anderem Yelp, eine Konsumenten-Plattform zur Bewertung lokaler Geschäfte, das Frauen-Werbeportal Glam Media, der E-Mail-Vermarkter Exact Target, der Microsoft-Partner AppNexus und der Kurznachrichtendienst Twitter.

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