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Blaue Erden bei roten Zwergen

Die Astronomen haben schon etwa eintausend Planeten bei fernen Sternen entdeckt, doch darunter ist kein erdähnlicher Planet - also keine felsige Kugel, die die richtige Temperatur für flüssiges Wasser hat.

Von Dirk Lorenzen | 16.10.2012

Ein deutsch-spanisches Astronomen-Team um Andreas Quirrenbach von der Landessternwarte Heidelberg und Ansgar Reiners von der Universität Göttingen sucht demnächst gezielt nach den Erden im All.

Die Forscher bauen für das Observatorium Calar Alto in Südspanien das Instrument Carmenes. Mit ihm lässt sich die Bewegung von Sternen präzise vermessen - auf einen Meter pro Sekunde genau. Das entspricht dem Tempo eines Fußgängers!

Kreist ein Planet um einen Stern, so lässt seine Anziehungskraft den Stern etwas hin- und herbewegen. Wenn die Astronomen diese Sternbewegung messen, können sie indirekt auf die Existenz des Planeten schließen.

Zwar hat diese Technik schon zu zahlreichen Entdeckungen geführt - bisher aber vor allem bei sonnenähnlichen Sternen, bei denen sich auf diese Weise erdähnliche Planeten nicht finden lassen, weil der Effekt zu klein ist.

Mit Carmenes überwachen die Forscher gut dreihundert rote Zwerge. Diese Sterne sind deutlich kühler als unsere Sonne. Um die richtige Temperatur für flüssiges Wasser zu haben, muss ein Planet deutlich dichter an einem roten Zwergstern sein als die Erde an der Sonne.

Entsprechend bewegt sich der Stern dann etwas stärker hin und her. Erdähnliche Planeten sind also nirgends so gut zu finden wie bei diesen kühlen Sternen.

2014 soll Carmenes die Messungen beginnen - und dann herausfinden, ob rote Zwerge auch blaue Erden haben.


Der Carmenes-Spektrograph mitsamt Soundtrack

Das Deutsch-Spanische Observatorium auf dem Calar Alto
Die ersten Exoplaneten wurden 1995 entdeckt – inzwischen kennt man auch Systeme mit mehreren Planeten (Zeichnung)
Die ersten Exoplaneten wurden 1995 entdeckt – inzwischen kennt man auch Systeme mit mehreren Planeten (Zeichnung) (NASA)