
"Der Fisch stinkt vom Kopf", schreiben die Zeitungen der OM-Mediengruppe aus Vechta:
"Dieses alte Sprichwort hat sich Boris Pistorius für seine Bundeswehrreform zu Herzen genommen. Denn um die verkrusteten Strukturen der Streitkräfte aufzubrechen, reichen einzelne kosmetische Veränderungen längst nicht mehr aus. Wer die Armee kriegstauglich machen will, muss zuerst die Führungsebene reformieren."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG stimmt zu:
"Es ist sinnvoll, dass nun nur noch ein Führungskommando für Inlands- wie Auslandseinsätze zuständig sein soll. Wichtig ist auch, der weiter wachsenden Bedeutung des Cyberraums und der hybriden Kriegsführung Rechnung zu tragen. Merkwürdig bleibt aber, dass die vermeintlich effizienteren Strukturen nicht mit einem Abbau des personellen Wasserkopfs an der Spitze einhergehen."
Und das STRAUBINGER TAGBLATT kritisiert:
"Die effektivsten Reformen nutzen nichts, wenn es nicht genügend Soldaten gibt. Für sein wohl größtes Problem, den Mangel an geeignetem Bundeswehrnachwuchs, hat Pistorius noch keine Patentlösung gefunden. An einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion über künftige Strategien zur Rekrutierung führt kein Weg vorbei."
Der SÜDKURIER aus Konstanz widerspricht:
"Mit mehr als 181.000 Soldatinnen und Soldaten hat die Armee weitaus dringendere Probleme als die Wiedereinführung einer Wehrpflicht. Die Bundeswehr hat nach wie vor zu wenig Panzer, zu wenig Ersatzteile, zu wenig Munition – und zu wenig Geld, um die teils runtergerockten Kasernen aufzuwerten."
In den Kommentaren geht es auch um die Berichte über rechtsextremistische Verdachtsfälle bei der Polizei - mindestens 400 sollen es sein. Für die FRANKFURTER RUNDSCHAU ist das nur die "Spitze des Eisbergs". Sie schreibt:
"Gerade Alltagsrassismus ist ein gravierendes Problem. Rechte Chatgruppen von Polizeibediensteten fliegen regelmäßig nur dann auf, wenn Ermittlungsbehörden wegen eines anderen Verdachts Zugriff auf die Mobiltelefone erhalten. Immer wieder zeigt sich, dass Vorgesetzte von der rechten Gesinnung ihrer Untergebenen wussten, aber nicht eingegriffen haben."
Und ZEIT ONLINE kommentiert:
"Es gibt nun eine optimistische Lesart dieser neuen Zahlen: Die Behörden sind sensibler gegen extremistische Umtriebe in den eigenen Reihen geworden. Die pessimistische Deutung liefert der Polizeibeauftragte des Bundestags, Uli Grötsch: Man lebe in Zeiten, in denen von Rechtsextremen gezielt versucht werde, die Polizei zu destabilisieren. Hinnehmen darf der Staat Rechtsextreme in den eigenen Reihen in keinem einzigen Fall. Jede Dienstwaffe in den Händen von Extremisten ist eine zu viel."
