07. November 2024
Blick in die Zeitungen von morgen

Es dominieren Kommentare zum Bruch der Ampel-Koalition:

Christian Lindner (FDP) steht vor zahlreichen Mikrofonen und gibt nach seiner Entlassung als Finanzminister ein Pressestatement ab.
Christian Lindner (FDP) (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Das STRAUBINGER TAGBLATT hält die Entlassung von Finanzminister Lindner für alternativlos:
"Zu feige, um selbst aus der Regierung auszutreten, hat er so lange und so extrem provoziert, dass Kanzler Olaf Scholz ihm und der gesamten Ampel den Stecker ziehen musste. Der Totengräber Lindner und seine FDP sind einfach nicht regierungsfähig."
"Wer braucht jetzt noch die FDP?" fragt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG und führt aus:
"Nach der missglückten schwarz-gelben Merkel-Koalition flog sie aus dem Bundestag. Vor der schwarz-gelb-grünen Jamaika-Regierung rannte sie davon. Und aus der Ampel flog sie raus. Die neoliberalen FDP-Anhänger werden das sogar feiern. Aber die Zahl derjenigen, die sich fragen, wofür man so eine Partei noch braucht, wird mit Sicherheit nicht kleiner."
ZEIT ONLINE nimmt dagegen den Bundeskanzler in die Verantwortung und nennt Olaf Scholz "der Macht nicht würdig":
"Fast immer, wenn es schwierig wurde, blieb Olaf Scholz schrecklich blass. Zu oft zog er sich zurück, hielt sich bedeckt, prägte zu selten den Kurs seiner Bundesregierung. So schuf Scholz selbst das Vakuum, das Lindner und andere unzufriedene Ampelpolitiker über Gebühr nutzten."
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER würdigt das Verhalten von Volker Wissing, der seinen Ministerposten behält und dafür aus der FDP austritt:
"Wissing, der in Rheinland-Pfalz über Jahre an einer erfolgreichen Ampel beteiligt war, inszeniert sich als einer, dem Sachpolitik über Parteidogmatik geht. Er kann sich den Parteiaustritt leisten, weil er finanziell unabhängig ist und einen Zivilberuf erlernt hat. Man kann ihm deshalb glauben, dass er aus Überzeugung und nicht aus Kalkül handelt."
Und die WELT ergänzt:
"Verkehrsminister Wissing setzt neue Maßstäbe in der Diskussion um Loyalität und Verantwortung."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG blickt nach vorne:
"Bis zur Neuwahl hat Scholz keine Mehrheit mehr im Bundestag. Dass er durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgewählt wird, muss er jedoch nicht befürchten. CDU und CSU haben aber auch keinen Grund, der bankrotten Restampel aus der Insolvenz herauszuhelfen. Trotz aller Meinungsunterschiede können SPD und Union in den nächsten Wochen aber nicht übereinander herfallen wie Scholz und Lindner noch in der Scheidungsnacht. Punktuelle Zusammenarbeit wird nötig sein, Berlin darf auch in diesem Interregnum nicht völlig handlungsunfähig werden."
Die MEDIENGRUPPE BAYERN, zu der unter anderem die PASSAUER NEUE PRESSE gehört, fordert schnelle Neuwahlen:
"Schluss damit! Es gibt keinen überzeugenden Grund, warum die rot-grüne Minderheitsregierung einen Tag länger im Amt bleiben sollte als nötig. Erlöst uns – und euch!"