09. Januar 2026
Blick in die Zeitungen von morgen

Kommentiert wird das Mercosur-Freihandelsabkommen, das die Mitgliedsländer der EU heute mehrheitlich gebilligt haben.

    Die Container Exchange Route, das eigene Straßennetz des Hafenbetriebs Rotterdam auf der Maasvlakte. Das 17 Kilometer lange Straßennetz verbindet Terminals, Vertriebszentren und andere wichtige Standorte. Das bedeutet, dass die Container nicht auf öffentlichen Straßen fahren müssen.
    Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungsmarathon steht eine Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens unmittelbar bevor. (picture alliance / ANP / Jeffrey Groeneweg)
    Die F.A.Z. bemerkt:
    "Im aktuellen geopolitischen Umfeld ist das Abkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay viel mehr als der reine Handelsvertrag, als der er vor mehr als 25 Jahren gestartet ist. Es ist ein Bekenntnis zu regelbasiertem Handel und internationaler Kooperation. Die nötige Mehrheit kam gerade soeben zustande – nach zähen Nachverhandlungen, diplomatischen Verrenkungen und Zusagen in letzter Minute an die Kritiker. Frankreich stimmte dennoch erstmals gegen ein großes Handelsabkommen."
    Die FREIE PRESSE aus Chemnitz ist trotzdem erleichtert:
    "Hallelujah, der freie Handel lebt. Die EU kann sich – wenn auch mit ein paar Jahren Verspätung – nicht nur als verlässlicher Partner präsentieren, sondern darüber hinaus als geopolitischer Akteur positionieren. Das ist umso wichtiger in einer Zeit, in der die regelbasierte Weltordnung immer weniger zu gelten scheint."
    Ähnlich sieht es die BERLINER ZEITUNG:
    "Die Europäer schaffen mit Brasilien, Argentinien und anderen einen gigantischen Markt. Freihandel statt Abschottung, klare Regeln statt Recht des Stärkeren: Das ist der Gegenentwurf zu einer Politik, wie sie die Trumps, Putins und Xis dieser Welt betreiben."
    Die STUTTGARTER ZEITUNG schreibt:
    "Gerade weil die beiden globalen Supermächte USA und China immer skrupelloser anderen ihre Bedingungen diktieren, ist es unerlässlich für die EU, sich weitere Standbeine und Absatzmärkte aufzubauen. Ohne Freihandel würde es mit dem Wohlstand in ganz Europa bergab gehen."
    Die WELT hebt die Bedeutung des Abkommens für die deutsche Wirtschaft hervor:
    "Zwar rangiert Mercosur als Absatzmarkt für Produkte `Made in Germany` nur unter ferner liefen. Doch das Potenzial ist groß und ebenso die Not der hiesigen Unternehmen, die dringend neue Kundschaft brauchen."
    Die Zeitung ND.DER TAG kritisiert indes:
    "Das Freihandelsabkommen bedeutet aus EU-Sicht mehr Exporte von Autos und Pestiziden sowie mehr Importe von billigem Fleisch und Rohstoffen. Es leistet weiteren Vorschub für Umweltzerstörung und soziale Ungleichheit."
    Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg findet:
    "Mercosur ist in vielen ländlichen Regionen zum Sinnbild eines vermeintlich unfairen Wettbewerbs geworden. Billiges Rindfleisch aus Südamerika, so die verbreitete Erzählung, werde Europas Höfe hinwegfegen. Dabei hat die EU-Kommission das Abkommen mit so vielen Schutzklauseln, Notbremsen und Quoten abgesichert, dass man sich ernsthaft fragen muss, warum die Mercosur-Staaten überhaupt noch Interesse am Handel mit diesem zutiefst misstrauischen Kontinent haben."