
"Diese Steuerreform dürfte Deutschland mächtig schaden", ist die WIRTSCHAFTSWOCHE überzeugt.
"Der Plan der SPD-Spitzenfunktionäre zielt genau auf jene großen, erfolgreichen Unternehmen ab, die sich - zumindest noch - in Familienhand befinden. Es geht um traditionsreiche Firmen vom Schlag Stihl, Miele, Freudenberg. Es geht um Unternehmen, die Deutschland trotz aller gewichtigen Standortnachteile noch immer die Treue halten", so die Wirtschaftswoche.
Nicht weniger kritisch sieht es die NORDWEST-Zeitung aus Oldenburg:
"Kommen solche enteignungsgleichen Eingriffe ins Eigentum, lohnt sich Unternehmertum im Lande noch weniger."
Auf T-ONLINE.DE heißt es dagegen: "Wer aus den Vorschlägen der SPD eine Gefahr für den Mittelstand konstruiert, übertreibt bewusst. Eine gestundete Steuer, bezahlt aus laufenden Gewinnen, zwingt kein gesundes Unternehmen in die Knie", ist das Online-Portal überzeugt.
Aus Sicht der TAGESZEITUNG ist das SPD-Konzept zu großzügig gegenüber den Erben.
"Wer künftig 900.000 Euro im Leben erbt und obendrauf noch ein Haus, in dem er wohnt, muss keinen Cent Steuern zahlen. Bisher gilt für Kinder ein Steuerfreibetrag von 400.000 Euro plus Immobilie. Der wird für viele faktisch verdoppelt. Das klingt wie ein Wellness-Programm für die obere Mittelschicht", kritisiert die "taz".
"Lebenschancen sollten nicht von der Abstammung abhängen", meint DER TAGESSPIEGEL aus Berlin.
"Erträge aus der Steuer könnten beispielsweise ins Bildungssystem investiert werden. Dann hätten Kinder aus weniger wohlhabenden Familien bessere Aufstiegschancen. Oder der Faktor Arbeit könnte entlastet werden, wenn die Einkommensteuer für mittlere Einkommen gesenkt würde."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE findet, der Vorstoß der SPD für eine Reform der Erbschaftssteuer komme zur Unzeit:
"Weil das Verfassungsgericht bald über die gängige Praxis entscheiden will. Eine Partei, der es nicht nur um die eigene Profilierung geht, würde dieses Urteil abwarten."
Der WESER-KURIER sieht es anders:
"Für den Fall der Fälle liegt dann zumindest ein Konzept der SPD in der Schublade, das dann gegebenenfalls mit den weitergehenden Vorstellungen der Union bei der Körperschaftsteuer und der Senkung der Einkommensteuer in den unteren und mittleren Gehaltsklassen abgeglichen werden könnte."
Aus Sicht der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG haben die Sozialdemokraten allerdings nur ein halb fertiges Reformpapier:
"Die entscheidenden Stellen fehlen: Soll der Erbe eines Mehrfamilienhauses künftig fünf Prozent Steuern zahlen – oder 25? Oder 50? Das offenzulassen, mag für Verhandlungen mit der Union sinnvoll sein, für die gesellschaftliche Debatte ist es konfus."
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) blickt auf den Koalitionspartner der SPD:
"Noch reagiert die Union mit Empörung. Doch auch sie wird ihre Vorschläge bald formulieren müssen; spätestens nach dem in diesem Jahr erwarteten Urteil aus Karlsruhe zu Verschonungsregeln für Betriebsvermögen wird es zügig eine Gesetzesreform brauchen. Am Ende wird es, wie üblich in der Demokratie, nur mit einem Kompromiss gehen."
