
"Viel wird nun davon abhängen, ob Heiner Wilmer Worte findet, die hier und heute verstanden werden. Gelingt ihm das, kann er tatsächlich zum Brückenbauer werden und der Kirche ein Gesicht geben. Als Intellektueller und Geistlicher hat er etwas zu sagen zu den Problemen der Zeit, und er steht für eine politische Kirche, die sich einmischt in der Welt.“
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE erläutert:
"Knapp 20 Millionen Katholikinnen und Katholiken stellen knapp ein Viertel der Bevölkerung, 'die' Kirche ist ein wesentlicher, prägender, nicht wegzudenkender Teil des Landes – nicht zuletzt als Arbeitgeber oder als karitative Institution. Und: Gotteshäuser mögen leer sein, das Bedürfnis nach Spiritualität, Sinnstiftung und Seelsorge bleibt ungebrochen. Wilmers vordringliche Aufgabe wird es also sein müssen, stärker als sein Vorgänger auf all das hinzuweisen."
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN loben:
"Heiner Wilmer war insofern eine schlaue Wahl, als er kein dezidierter Vertreter eines bestimmten kirchenpolitischen Kurses ist. Er bewegt sich theologisch innerhalb des römisch-katholischen Lehramts, sieht aber die Machtstrukturen in der Kirche kritisch und fordert zeitgemäße Veränderungen. Die Segnung homosexueller Paare begrüßte er, stellte aber die traditionelle Ehelehre nicht grundsätzlich in Frage. Diese Mischung ist die beste Voraussetzung, gesprächsfähig zu bleiben in einer zunehmend diversen Gesellschaft."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG resümiert:
"Trotz ihrer wenigen Kompetenzen hat es auch die Bischofskonferenz in der Hand, ob die Erosion der volkskirchlichen Strukturen bald in eine unkontrollierte Implosion münden und Seelsorge nur noch nach Personal- und Kassenlage stattfinden wird – oder ob aus der Not eine Tugend gemacht und die Potentiale neuer Sozialformen des Glaubens ausgelotet werden, einer Kirche im Volk."
Zur China-Reise von Bundeskanzler Merz schreibt die SÜDWEST PRESSE aus Ulm:
"Haben Sie schon mal versucht, jemanden zu umarmen – und ihn gleichzeitig von sich wegzustoßen? Das ist die Herausforderung, vor der Friedrich Merz in der China-Politik steht. China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner. Deshalb ist es logisch, dass der Kanzler mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Peking reist. Gleichzeitig führt auf längere Sicht kein Weg daran vorbei, die Risiken einer ökonomischen Abhängigkeit von China zumindest zu verringern."
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG meint:
"Merz muss wieder mal den richtigen Ton treffen: respektvoll, aber selbstbewusst. Ziel muss eine so nüchterne wie langfristig tragfähige Partnerschaft sein, die deutsche und europäische Interessen wahrt. Da gibt es einiges nachzubessern."
