
Das beschäftigt auch das HANDELSBLATT:
"Das vielleicht größte Problem bei diesem spektakulären Militärcoup: Trump hat keinen Plan für danach. Weder lässt sich die iranische Diktatur einfach weg- noch eine neue Friedensordnung herbeibomben. Ein Regime-Change bräuchte am Ende mit großer Wahrscheinlichkeit eben doch amerikanische Bodentruppen. Es bestehen berechtigte Zweifel daran, dass Trump bereit ist, dieses Risiko einzugehen, allein aus Rücksicht auf seine MAGA-Bewegung, die strikt isolationistisch orientiert ist."
Trump hofft offenbar, dass die iranische Opposition die Macht im Land übernimmt. Dazu hat er sie jedenfalls aufgerufen. Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) befürchtet allerdings, dass dieser Versuch übel enden könnte:
"Die Enthauptung eines menschenverachtenden Regimes bedeutet noch längst nicht, dass es geschlagen ist. Der unbewaffneten Opposition stehen hochgerüstete Revolutionsgarden, Sicherheitskräfte und das Militär gegenüber, die ihre Ruchlosigkeit mehrfach unter Beweis gestellt haben. Und wie ein gewaltsamer Regimewechsel von außen missglücken und im Chaos enden kann, haben die USA bereits mehrfach unter Beweis gestellt – in Afghanistan, im Irak und in Libyen."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht das ähnlich kritisch:
"Leider ist strategisch nichts vorbereitet. Die iranische Opposition ist zersplittert. Der Sohn des im Exil lebenden früheren Schah ist nur die Projektionsfläche für ein freies Leben. In Wahrheit ist die Bevölkerung in ihren religiösen Anschauungen und in ihren ethnischen Abstammungen zerrissen. Eben diese Zerrissenheit kennzeichnet den Nahen Osten insgesamt. Deshalb ist die Gefahr so groß, dass sich dieser Krieg zum Flächenbrand entwickelt. Nicht umsonst haben Saudi-Arabien, Katar und andere versucht, die Amerikaner davon abzuhalten, ihren unbeliebten Nachbarn anzugreifen."
Und auch die SAARBRÜCKER ZEITUNG sieht die Gefahr einer dauerhaften Unsicherheit in der Region:
"Trump hat sich bei arabischen Partnern unbeliebt gemacht, indem er den Angriff auf den Iran gegen ihren Rat und auf Ermunterung durch Benjamin Netanjahu befahl. Israels Einfluss auf die US-Nahost-Politik war nie so groß. Daher suchen arabische Staaten andere Beschützer. Saudi-Arabien hat ein Verteidigungsabkommen mit der islamischen Atommacht Pakistan unterschrieben. Trump läutet mit dem Krieg eine neue Ära im Nahen Osten ein – aber nicht die, die er sich wünscht."
