
Kritik an Orban übt unter anderem die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus:
"Der ungarische Ministerpräsident tut dies, obwohl er dem Unterstützungsdarlehen bereits zugestimmt hatte. Und obwohl sein Land sich nicht daran beteiligen muss. Das ist dreist."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER blickt auf mögliche Folgen:
"Ohne Kredit kann Kiew Anfang Mai Gehälter und Pensionen nicht bezahlen. Bei Waffenkäufen gibt es bereits Probleme: Patriot-Raketen gehen an andere Staaten, wenn die Ukraine nicht zahlen kann. Orban nimmt die EU in Geiselhaft, um auf ein paar Stimmen zu spekulieren."
Das DARMSTÄDTER ECHO sieht es so:
"Wenn sich die 27 Staats- und Regierungschefs der EU zum Gipfel treffen, sitzt der russische Präsident Wladimir Putin stets mit am Tisch. Zumindest, solange Viktor Orban in Budapest regiert. Seine Blockade der Ukraine-Kredite beim jüngsten EU-Gipfel war der letzte Beweis für diesen Verrat."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG verweist allerdings darauf, dass beim Umgang mit Russland in der Europäischen Union nicht nur Orban eine andere Linie verfolgt.
"Es gibt EU-Länder, die sehen Putin als existenzielle Bedrohung und RusslandsKrieg gegen die Ukraine als Angriff auf die gesamte europäische Sicherheitsordnung. Und es gibt EU-Länder – längst nicht nur Ungarn –, die kaufen Putin weiterhin Gas und Dünger ab und verkaufen ihm Schiffe für seine Schattenflotte. Warum soll Putin dieses Europa ernst nehmen?"
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG nimmt die Reaktionen der anderen EU-Staats- und Regierungschefs in den Blick:
"Kanzler Merz raunt gar, man werde sich das merken, wenn der nächste EU-Haushalt beschlossen wird. Da klingt er wie ein kleiner Trump ohne Großbuchstaben, zumal die angedeutete Sanktionsdrohung rechtlich kaum zu verwirklichen wäre. Aber es geht sowieso nicht darum. Sondern man glaubt in den europäischen Hauptstädten offenbar, man könne den erhofften Wahlsieg von Orbans Herausforderer Peter Magyar im April noch etwas anschieben, indem man dem ungarischen Störenfried noch eins mitgibt. Wenn man sich da mal nicht täuscht."
Die Mediengruppe Bayern, zu der auch die PASSAUER NEUE PRESSE gehört, blickt mit Sorgen auf die Zukunft des europäischen Projekts:
"Es ist keine ausgemachte Sache, dass die Europäische Union die nächsten Jahre übersteht. Die großen Mächte dieser Welt – USA, Russland und China – würden es begrüßen, wenn diese Staatengemeinschaft wieder in ihre Einzelteile zerfiele." Und weiter heißt es in dem Kommentar: "Befremdlich ist, wie wenig Gegenwehr wir dem entgegen setzen."
