
"Das Gegenteil von 'gut' ist gewiss nicht immer 'gut gemeint'. Wenn deutsche Volksvertreter sich darum bemühen, geopolitische Großlagen in praktischen Portemonnaie-Populismus umzumünzen, allerdings schon. Das zeigt sich auch jetzt wieder in aller Schärfe: Je größer die Krise, desto kopfloser wirken die Konzepte zu deren Bewältigung."
Ähnlich sieht es der Berliner TAGESSPIEGEL:
"Wochenlang präsentierten Union und SPD unabgesprochen zahlreiche Maßnahmen, während die Regierung zögerte und darauf spekulierte, dass der Konflikt um die Straße von Hormus schnell beigelegt würde. Als sich diese Hoffnung nicht erfüllte, mussten übereilt Entlastungen beschlossen werden. Herausgekommen ist bei den 24-stündigen Beratungen in der Villa Borsig großer Murks."
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN widmen sich dem Krisengeld, das Firmen ihren Beschäftigten steuerfrei auszahlen könnten:
"Es werden sich ausschließlich Firmen, denen es finanziell gut geht, daran beteiligen. Die haben aber jetzt schon Chancen, ihren Beschäftigten entgegenzukommen. Insofern weist die Regelung zu allen anderen Problemen auch noch eine gewisse soziale Unwucht auf."
Die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG sieht es anders:
"Viele Verbände ereifern sich, als hätte die Politik sie gezwungen, ihren Mitarbeitern eine Extrazahlung zu überweisen – dabei besteht nun lediglich die Möglichkeit dazu. Mit ihrer maßlosen Kritik sind viele Interessengruppen gerade auf dem besten Weg, die Regierung in Ampel-Verhältnisse hineinzureden."
Zum geplanten Rückzug des Linken-Co-Vorsitzenden van Aken von der Parteispitze schreibt die RHEINISCHE POST:
"Dass van Aken anders als ursprünglich geplant nicht wieder als Vorsitzender antritt, ist ein großer Verlust für die Linke. Im Moment deutet sich kein Nachfolger an, der auf ähnliche hohe Bekanntheitswerte wie van Aken verweisen kann. Von Luigi Pantisano, der seinen Hut im Rennen um die Nachfolge in den Ring geworfen hat, dürften die meisten noch nichts gehört haben."
Und die VOLKSSTIMME aus Magdeburg analysiert:
"Luigi Pantisano ist ein Mann aus dem Westen, wie er für die Quote in der Parteispitze mit der Ost-Frau Ines Schwerdtner gebraucht wird, er stammt aus der Arbeiterklasse und hat – und zunehmend wichtiger – einen Migrationshintergrund. Denn damit vertritt Pantisano die Gruppe, die den größten Anteil am rasanten Aufstieg der Linken hat. Er selbst will mit der Linken als 'organisierter Klassenpartei' zu neuen Ufern aufbrechen. Für viele neue Linke wird die Partei als Instrument gesehen, um einen legitimierten Zusammenschluss gegen Israel zu formen. Da muss der Klassenkampf wohl warten."
