
"Koalitionen leben vom Geben und Nehmen, nicht vom Ziehen und Zerren", notiert der TAGESSPIEGEL:
"Wenn der Kanzler seinem Vize Klingbeil öffentlich erklärt, was 'nicht geht', verschiebt er den Verhandlungstisch ins Schaufenster. Das hilft vielleicht in den eigenen Reihen, aber es verengt die Möglichkeiten des Partners, auf ihn einzugehen. Und die SPD ist, bei aller Schwäche, nicht bloß Statistin. Ihre Spitze braucht sichtbare Erfolge, sonst franst der Rückhalt am linken und rechten Rand der Partei weiter aus – mit Folgen für die Stabilität des Ganzen."
Der MÜNCHNER MERKUR analysiert:
"Die Sätze, die dieser Tage durchs politische Berlin hallen, klingen bereits wie Abgesänge auf die Koalition und den Kanzler. 'Menschenverachtend' nennt SPD-Chefin Bas die Politik der CDU. Ihr Fraktionschef Miersch stellt gar die Eignung von Merz infrage. Nun gehören rüde Attacken der Genossen leider zum schlechten Ton in dieser Koalition. Gefährlich wird die Sache für Merz allerdings dadurch, dass die Spitze der Union die kommunikativen Fehlleistungen des Kanzlers inzwischen fast genauso kritisch sieht wie die SPD."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt hingegen:
"Merz hat recht, wenn er zugibt, dass die Handschrift der Union nicht oder nicht genügend zu erkennen ist. Die Unzufriedenheit in der CDU ist groß, weil die Ziele, die sich die Partei gesteckt hat, mit der SPD nicht zu erreichen sind. Merz griff zu einem drastischen Bild, das die Erfahrungen der Partei nach 16 Jahren Merkel aber ganz gut wiedergab: Zu viel Selbstverleugnung heißt, die Partei 'umzubringen'. Es wäre allerdings naiv zu glauben, dass der Koalitionspartner der Union nun ein Einsehen haben könnte und umsteuert."
In der Straße von Hormus spitzt sich die militärische Lage zwischen den USA und dem Iran wieder zu. Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus beobachtet:
"US-Präsident Trump hatte seine 'Operation Freiheit' als humanitäre Mission zugunsten der Seeleute auf den rund 2000 in der Region festsitzenden Schiffen angekündigt. Natürlich steckt nicht weniger dahinter, als den Iran seiner mächtigsten Waffe zu berauben: der Blockade der Meerenge. Kaum vorstellbar, dass das Regime den Schachzug Trumps ungerührt hinnehmen wird."
"Ein Ausweg aus der vertrackten Lage führt nur über Diplomatie", heißt es in der PFORZHEIMER ZEITUNG:
"Dabei könnten auch die Europäer eine stärkere Rolle spielen. Sie müssten eigene Initiativen für Sicherheitsgarantien für die Schifffahrt und neue Gespräche über das iranische Atomprogramm auf den Tisch legen – und zwar sichtbar, geschlossen und mit der klaren Botschaft an Washington wie Teheran, dass die Straße von Hormus kein Spielfeld für innenpolitische Profilierung ist, sondern eine Lebensader der Weltwirtschaft."
