
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU fasst zusammen:
"Dass Friedrich Merz beim Bundeskongress des DGB nicht auf Enthusiasmus stoßen würde, war absehbar. Ausgepfiffen und ausgebuht zu werden, passiert einem Kanzler aber auch nicht jeden Tag. Merz ist daran nicht ganz unschuldig. Ja, der Kanzler hat die unangenehme Rolle, einschneidende Reformpläne verkaufen zu müssen. Sein größtes Problem ist aber die Art, wie er das tut: zu oft negativ und anklagend, statt motivierend und um Ausgleich bemüht zu sein."
Die Szene habe Fehler auf beiden Seiten offenbart, schreibt DIE ZEIT:
"Merz hatte einmal mehr vergessen, dem Publikum die herzliche, selbstironische und nachbarschaftliche Seite zu zeigen, über die er verfügt, wenn man ihn nicht anhasst. Umgekehrt hatte es die frisch im Amt bestätigte DGB-Vorsitzende Fahimi versäumt, in den eigenen Reihen das Klima für Reformen vorzubereiten, ein Problem, vor dem auch die SPD-Spitze steht."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf beobachtet:
"Manche Reaktion im Saal zeigte Merz’ aktuelles Kernproblem: Er steckt in einer Spirale des Missverstehens – befeuert durch unbedachte Sätze, zu viele Versprechen, die in dem einen Jahr seiner Koalition nicht eingelöst wurden, und jede Menge Streit unter den Koalitionspartnern. Wie man da herauskommt, war aber ebenfalls zu sehen: mit Klarheit in den Botschaften."
Das Nachrichtenportal T-ONLINE hält fest:
"Die Realität in Deutschland umreißt Merz genau richtig: Es muss Schluss sein mit dem ständigen Weiter-so. Statt Buh zu rufen und zu pfeifen, wäre es deshalb wünschenswert gewesen, wenn die anwesenden Gewerkschaftsfunktionäre Merz besser zugehört hätten."
US-Präsident Trump ist bis Freitag zu einem Staatsbesuch in China. Das Magazin CICERO schreibt über die Beziehung zwischen beiden Ländern:
"Selbst begrenzte Vereinbarungen zu Handel, Lieferketten oder regionaler Sicherheit könnten dazu beitragen, eine berechenbarere Grundlage für die Beziehungen zwischen den beiden mächtigsten Staaten der Welt zu schaffen. In diesem Sinne liegt die größte Bedeutung des Gipfeltreffens möglicherweise nicht in einer einzelnen Vereinbarung, sondern darin, ob es gelingt, den allgemeinen Kurs der Beziehungen in einer Zeit wachsender globaler Instabilität neu auszurichten."
Die neue NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG bezeichnet den Besuch als Nerventest:
"Trump will Stärke zeigen, riskiert aber, dass Peking seine Ungeduld ausnutzt. Chinas Präsident Xi will Ruhe nach außen, um mehr Spielraum nach innen und in der Region zu gewinnen. Am Ende könnte das Treffen für eine unbequeme Wahrheit stehen: Die USA bleiben vorerst die Nummer eins, doch China ist längst stark genug, die alte Rangordnung vor aller Welt sichtbar aufzubrechen."
