15. Mai 2026
Blick in die Zeitungen von morgen

Kommentiert wird der Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem Katholikentag in Würzburg. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG beobachtet:

    Bundeskanzler Merz steht beim Katholikentag zwischen zwei jungen Frauen auf einer Bühne. Alle drei tragen gelbe Schals. Merz hat die Arme gestikulierend erhoben.
    Kanzler Merz auf einer Bühne beim Katholikentag in Würzburg (AP Photo / Matthias Schrader / Matthias Schrader)
    "Merz agiert anders als sonst, zumindest teilweise, er gibt sich nachdenklicher und selbstkritischer. Er wisse, dass er in seiner Kommunikation etwas verbessern müsse. Und: 'Vielleicht streiten wir im Moment zu viel.' Das ist das eine Problem: der Streit in der Koalition. Das andere: seine Offenherzigkeit."
    Das HANDELSBLATT betont:
    "Der Kanzler hat seinem Publikum nicht nach dem Mund geredet. Nicht auf dem Katholikentag in Würzburg. Nicht den Delegierten des DGB-Bundeskongresses in Berlin. Und auch nicht jenen, die sich von Politik vor allem Beruhigung und schmerzfreie Antworten erhoffen. Das ist unbequem. Aber es ist notwendig."
    Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg empfiehlt dem Kanzler mehr Zurückhaltung in der Kommunikation:
    "Mager erscheinen die Ergebnisse allerdings nur im Vergleich zu den vollmundigen Ankündigungen. Da könnte gerade Merz künftig etwas bescheidener auftreten. Dann fiele es ihm und seinen Mitstreitern vielleicht auch etwas weniger schwer, erzielte Kompromisse, die zwingend zu einem erfolgreichen Regieren dazugehören, auch zu verteidigen."
    Nun zur Zukunft Taiwans. Nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in China, gibt es die Befürchtung, dass die USA den Inselstaat weniger unterstützen könnten.
    Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder schreibt:
    "Xis langjähriges Mantra einer friedlichen Wiedervereinigung ist längst klaren Warnungen Richtung Taipeh gewichen, auch kriegerische Mittel nicht auszuschließen. Unter diesem Blickwinkel erscheint die unterschiedliche Behandlung des Themas durch die beiden Präsidenten in einem besonderen Licht. Während Xi Washington vor einem direkten Konflikt in dieser Frage warnte, umschiffte Trump das Thema öffentlich lieber. Der Mann aus dem Weißen Haus hat in den Augen Chinas an Kraft verloren."
    DER SPIEGEL wirft die Frage auf:
    "Was sollte China noch davon abhalten, sich Taiwan einzuverleiben? Trump hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger Joe Biden kein Versprechen abgegeben, die Insel notfalls mit US-Truppen zu verteidigen. Und selbst wenn er es wollte: Trump hat sich mit dem Krieg im Iran auf ein teures und ressourcenintensives Abenteuer eingelassen, das die USA so schwächen könnte, dass ein Einsatz im Pazifik gar nicht infrage kommt."
    Zum Abschluss der Presseschau noch ein Kommentar zum Eurovision Song Contest. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU findet:
    "Nicht oft sieht man zigtausende Menschen aus Dutzenden Ländern gemeinsam in einer Halle und einer ganzen Stadt ausgelassen ein riesiges Fest feiern. Der ESC ist eine Veranstaltung, die es – soweit es die Differenzen zulassen – schafft, Menschen zu verbinden und zusammenzubringen. Das ist gerade in dieser konfliktreichen Zeit kaum hoch genug zu schätzen."