
"Käme es zu einer Verurteilung, würde sich der Fall in die lange, unselige Geschichte der vorgeschobenen Erinnerungslücken in der deutschen Politik einreihen", schreiben die NÜRNBERGER NACHRICHTEN. "Aber bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Das ist übrigens kein Promi-Bonus für einen Ex-Minister, sondern das Recht eines jeden Menschen."
Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen glaubt: "Bis heute gibt es viele Deutsche, deren Puls sich rapide beschleunigt, wenn der Name Andreas Scheuer fällt. Der ehemalige CSU-Verkehrsminister hat den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern einen Schaden von einer Viertelmilliarde Euro zugefügt. Das Maut-Debakel wirkt bis heute wie eine offene Wunde, weil niemand zur Rechenschaft gezogen wurde."
"Andreas Scheuer ist eine der tragischsten Figuren des Berliner Politikbetriebs der vergangenen Jahre", findet die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf. Und erinnert zugleich daran, dass nicht er alleine die Pkw-Maut einführen wollte: "Die Maut war das Herzensprojekt der CSU. Horst Seehofer, Markus Söder, der heutige Innenminister Alexander Dobrindt – sie alle hatten ihre Finger im Spiel".
Und die AUGSBURGER ALLGEMEINE befürchtet, dass der Fall auch die Politik insgesamt in ein schlechtes Licht rückt: "Es ist wie ein Verkehrsunfall, in dem ein Auto nacheinander in das nächste fährt – und noch immer nicht klar ist, wann diese Karambolage endlich endet. Schön wäre nur, man wäre als Steuerzahler nicht länger Unfallzeuge."
DIE GLOCKE aus Oelde beschäftigt sich mit dem Zustand der Bundeswehr und der jüngsten Äußerung von Verteidigungsminister Pistorius. Er will die Reservekräfte der Bundeswehr künftig zu militärischen Übungen verpflichten: "Unglücklich ist, dass die Übungs-Frage erst jetzt, Monate nach dem Start des neuen Wehrdienstes, geregelt wird. Ähnlich wie bei der Aufregung um längere Auslandsaufenthalte junger Männer hat sich das Verteidigungsministerium hier einen handwerklichen Schnitzer geleistet."
Und der SÜDKURIER aus Konstanz glaubt, Verteidigungsminister Pistorius habe den Glauben daran verloren, seinen Truppenaufwuchs ohne Zwang zu stemmen: "Jetzt sollen es die Reservisten richten. Damit sieht Pistorius schlecht aus. Anstatt einzugestehen, dass nur die Wehrpflicht eine starke Bundeswehr garantiert, kommandiert er nun jene herbei, die zuvor freiwillig gekommen sind. Wird das die Motivation, Rekrut zu werden, steigern? Sicher nicht."
