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StartseiteUmwelt und VerbraucherBlühende Landschaften23.07.2007

Blühende Landschaften

Förderprogramme für den Erhalt heimischer Blumenarten

Viele Landwirte haben mittlerweile erkannt, dass Pflanzen, die wild am Feldrand wachsen, nicht die Ernteergebnisse beeinträchtigen. Wer seltene heimische Blumenarten nicht nur duldet, sondern deren Ausbreitung fördert, der bekommt dafür zum Beispiel in Baden-Württemberg und Niedersachsen Zuschüsse.

Von Elke Drewes

Klatschmohn auf einem Getreidefeld.  (AP Archiv)
Klatschmohn auf einem Getreidefeld. (AP Archiv)

"Meiner Meinung ist das die schönste Blumenwiese, wenn wir da den Berg da hoch laufen würden, da hat man einen schönen Blick über die ganze Landschaft. Das sind ganz verschiedene Pflanzen, man sieht den Wiesensalbei, Hahnenfuß und Margeriten, also das ist schon ein sehr vielfältiger Standort."

Biolandwirtin Heidi Bouws aus Scheden im Kreis Göttingen ist sehr stolz auf ihre artenreiche Wiese im Leinebergland. Der seltene Wiesensalbei leuchtet violett im hohen Gras, dazwischen gelber Hahnenfuß und weiße Margeriten. Es duftet nach Gräsern und Kräutern. Die Wiese liegt an einem Hang und hat sogar jüngst einen Preis bekommen. Der Biologe Hans Georg Stroh untersucht im Auftrag des Zentrums für Landwirtschaft und Umwelt der Uni Göttingen die Grünlandvegetation in Südniedersachsen. Eine so artenreiche Wiese hat er selten gesehen:

"Die Wiesenmargerite kommt dort vor, die sehr zahlreich ist, der Klappertopf, viele kleine Kleearten, also auch Arten, die bei intensiver Wirtschaft keine Chance mehr haben, der Wiesensalbei kommt vor, Wiesenkümmel, Flockenblume."

Das ist die natürliche, heimische Artenvielfalt. Sie bleibt erhalten, weil Landwirtin Heidi Bouws die Wiese seit 10 Jahren nicht mehr düngt und nur extensiv nutzt. Das heißt, auf zweieinhalb ha Wiese stehen nur fünf Pferde und das erst ab Mitte Juni, damit die Pflanzen nicht vor der Blüte zertreten werden und Saatkeime entwickeln können. Auf der artenreichen Wiese findet die kleine Pferdeherde einen reich gedeckten Tisch:

"Das ist sehr kräuterreiches gesundes Futter, sie riechen das ja, das duftet nach verschiedenen Kräutern und das schmeckt den Tieren auch."

Die Pferde bleiben nur etwa fünf Wochen auf der Weide. Erst wenn die Gräser und Kräuter wieder nachgewachsen sind, kommen die Pferde noch einmal bis Ende Oktober zurück. So eine artenreiche Wiese wäre auch für Mutterkühe und ihre Kälber geeignet, sagt Biologe Hans Georg Stroh. Das niedersächsische Agrarumweltprogramm fördert seit diesem Jahr Landwirte, auf deren Wiesen und Weiden noch heimische Blumen und Kräuter wachsen. Es gibt keine Vorschriften, allein das Ergebnis, der Artenreichtum, zählt:

"Da gibt es einen Katalog von 31 Arten, das gilt niedersachsenweit, und von diesen 31 Arten müssen mindestens 4 Arten vorkommen. Unter diesen Arten sind einige, die man noch auf vielen Wiesen finden kann wie Hahnenfuß, Rotklee, Gamander-Ehrenpreis, Spitzwegerich, Wiesenlabkraut oder das Wiesenschaumkraut oder dazu kommen seltenere Arten wie die Kuckuckslichtnelke, Schlangenwiesenknöterich, der Wiesensalbei, Sumpfdotterblume, das ist sogar eine Rote Liste Art, oder Wiesenglockenblume oder verschiedene Sauerkräuter."

Mit der Pflanzenvielfalt wächst auch die Insektenvielfalt an Käfer-, Heuschrecken- und Schmetterlingsarten. Durch intensive Viehhaltung, starke Düngung der Weiden und zu häufiges Mähen ist der Artenbestand an Blumen und Kräutern in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Deshalb will Cornelia Andersohn von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mehr Landwirte für den Naturschutz gewinnen:

"Landwirtschaft hat mit Umweltschutz zu tun, denn wie der Landwirt wirtschaftet, hat Folgen für die Umwelt. Die Landwirtschaft ist der größte Landnutzer der Bundesrepublik, insofern hat die Landwirtschaftlich einen unglaublichen Einfluss auf den Naturschutz, weil die Flächen wichtig sind, um Arten zu erhalten. Insofern ist jeder Landwirt ein Artenvernichter oder Erhalter."

In diesem Jahr haben sich 75 Landwirte in Südniedersachsen an dem neuen Agrarumweltprogramm beteiligt. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hofft, dass es künftig noch mehr werden.

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