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StartseiteForschung aktuellBöses Kraut29.09.2011

Böses Kraut

Fremde Pflanzenart verringert Überlebenschancen von Jungbuchen

Biologen aus Basel warnen davor, den Einfluss von fremden Pflanzenarten auf die bestehenden Ökosysteme zu unterschätzen. In ihren Studien haben sie herausgefunden, dass die Ausbreitung einer Springkrautart das Wachstum junger Buchen stark behindert.

Von Volker Mrasek

Das Drüsige Springkraut stört das Wachstum von Jungbuchen. (picture-alliance / dpa / ZB)
Das Drüsige Springkraut stört das Wachstum von Jungbuchen. (picture-alliance / dpa / ZB)
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Zurzeit blüht es noch hier und da, das Drüsige oder Indische Springkraut, wie es auch genannt wird.

"Die Pflanze hat rosarote Blüten."

Und sie fällt auf!

"Sie werden größer als ich! Also, ich bin 1,60 Meter. Sie können wirklich bis zu zweieinhalb Meter groß werden. Die Leute finden die Pflanze schön zum Anschauen."

Deswegen, so die Schweizer Biologin Regina Ruckli, sei der Exot überhaupt hier. Das Drüsige Springkraut wurde einst als Zierpflanze aus Asien eingeführt und in Gärten und Parks ausgesät. Heute macht es sich vor allem in der Natur breit.

Was die Leute an dem Gewächs weniger schätzen, ist der Geruch, den es über seine Blattdrüsen verströmt:

"Wenn man am Wegrand steht, dann riecht man es. Und vor allem, wenn man die Pflanze berührt, dann ist es ganz schlimm." "Für mich riecht es einfach fürchterlich."

Regina Ruckli und andere Ökologen der Universität Basel berichten jetzt von einer Eigenart der Pflanze, die noch weitaus unangenehmer ist als ihr Gestank. Überall dort, wo das Drüsige Springkraut in Buchenwälder einwandert, könnte es sich als Bedrohung für die Bestände erweisen. Das lassen laufende Studien und Feldversuche der Schweizer Forscher vermuten. Sie halten die Ausbreitung der Art deshalb für sehr bedenklich.

Bruno Baur, Professor für Naturschutzbiologie an der Uni Basel:

"Unsere Ergebnisse zeigen, und das können wir wirklich belegen, dass viele der Jungbuchen es nicht mehr schaffen, größer zu werden. Sie sterben. Also, die Regeneration des Waldes ist reduziert, gefährdet. Und höchstwahrscheinlich auch das Wachstum der Buche. Also, im Moment sieht es so aus, dass das Vorhandensein von Springkraut den Buchenbestand sowohl in der Regeneration wie auch im jährlichen Wachstum reduziert."

Buchen leben in Symbiose mit Waldpilzen wie dem Champignon oder dem Fliegenpilz. Das Wurzelgeflecht der Bäume wird quasi von Pilzgewebe umwachsen. Das Ganze nennt sich Ektomykorrhiza. Ein gewöhnungsbedürftiger Name, aber wie auch immer: Beide Partner profitieren davon, wie Regina Ruckli erläutert:

"Die Pflanze kann ja Zucker machen mit der Fotosynthese, und sie kann das dem Pilz geben."

Und was bietet der Juniorpartner im Gegenzug?

"Der Pilz hat ja viel feinere Fäden und kommt viel besser an die Wasservorräte im Boden, an die kleinen Poren, und kann sie der Pflanze bringen. Und auch Nährstoffe wie Phosphor oder Stickstoff, das können die Pilze viel besser aus dem Boden lösen als die Pflanze selber. Also, die Pflanze kann das schon auch, aber der Pilz kann es besser."

Diese Symbiose zwischen Waldbaum und Waldpilz wird vom Drüsigen Springkraut empfindlich gestört. Das zeigte sich in mehrjährigen Versuchsflächen der Basler Forscher:

"Wenn man Buchen ausgräbt, die in diesen Flächen wachsen, wo das Springkraut ist, dann sieht man: Diese Ektomykorrhiza sind reduziert. Also, es hat viel weniger als bei den Kontrollpflanzen. Also, bis zu 65 Prozent weniger von dieser Ektomykorrhiza ist an diesen kleinen Bäumchen. Sie haben dann eine kleinere Überlebenschance."

Warum das fremde Springkraut Buchen und Pilze aus den Armen treibt, weiß Regina Ruckli nicht. Das soll noch näher erforscht werden:

"Es kann sein, dass diese Pflanze Stoffe ausscheidet in den Boden. Und dass diese Symbiose stören."

Seit zehn bis 15 Jahren breitet sich die Exotin fast schon explosionsartig aus.

"Wenn Sie einmal Zug fahren, müssen Sie nur rausschauen, und Sie sehen sie überall."

Immer stärker dringt das Drüsige Springkraut dabei auch in Mischwälder vor.

"Es gibt Flächen, die sind, ich würde sagen, zu 80 Prozent besiedelt. Aber es gibt natürlich auch noch viele Flächen, die sind noch unbesiedelt. Und das Spannende daran ist jetzt, Strategien zu finden, wie man diese Ausbreitung reduzieren oder sogar verhindern kann."

Für Bruno Baur steht außer Frage, dass man etwas tun muss. In der Schweiz gehen Förster inzwischen auch schon gegen den ungebeten Gast vor.

"Also generell, in Deutschland wie auch in der Schweiz, wird der Einfluss der invasiven Pflanzenarten unterschätzt. Und zwar nicht nur die ökologischen Schäden, die sie anrichten, sondern vor allem auch die ökonomischen Schäden, das heißt wir haben weniger Einkommen durch Holzgewinn."

Wie im Fall des Drüsigen Springkrauts. Mittlerweile haben die Basler Biologen ihre Versuchsflächen neu bepflanzt. Sie wollen sehen, ob auch Ahornbäume durch das wuchernde Springkraut geschädigt werden.

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