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Brauchtum in Ägypten
Ramadan ohne "made in China"

Der Fastenmonat Ramadan in Ägypten ist auch von Brauchtum geprägt: etwa von Fanoos. Jahrhundertelang wurden diese Lampen in Handarbeit hergestellt. Dann überschwemmten die Chinesen den ägyptischen Markt mit billigen, industriell gefertigten Fanoos. Sehr zum Ärger der einheimischen Handwerker. Deshalb hat das Handelsministerium die "Fanoos made in China" verboten.

Von Elisabeth Lehmann | 01.07.2015

Zum Ramadan leuchten in Ländern wie Ägypten und Jordanien die "Fanoos"-Lampen.
Ägypten: Fanoos gehören zum Ramadan wie das Fasten selbst (dpa / picture alliance)
Etwa zehn Quadratmeter – mehr Platz hat Emad Abdul Agab nicht, um seine bunten Lampen herzustellen. Im Moment ist es besonders eng in der kleinen Werkstatt in der Kairoer Altstadt, denn zum Beginn des Ramadan will jeder eine handgemachte Fanoos haben.
"Man muss das Kupfer feilen, damit es die Originalfarbe behält. Kupfer wird schnell schwarz."
Abdul Agab ist 31 Jahre alt, schon als Kind hat er Fanoos verkauft. Das Handwerk hat er dann von seinem Vater gelernt. Schon sein Großvater war ein bekannter und leidenschaftlicher Fanoos-Macher. Abdul Agab lässt sich jedes Jahr ein neues Design einfallen. Sehr zur Freude seiner Kunden.EineFanoo-Käuferin:
"Also, die aus Kupfer gibt es immer. Das ist das Original. Aber dieses Jahr gibt es auch Fanoos aus buntem Stoff. Die sind sehr schön, um damit die Wohnung zu dekorieren."
Einen Monat im Jahr ist ganz Ägypten mit den bunten Lampen erleuchtet. Fanoos gehören zum Ramadan wie das Fasten selbst – auch wenn sie keine religiöse Bedeutung haben, wie ein anderer Kunde erzählt:
"Sie sind einfach Brauchtum in Ägypten. Vor allem bei den Muslimen."
Es gibt Fanoos aus Glas, aus Blech, aus Stoff, aus Holz und natürlich auch aus Plastik. Und fast alle sind made in China. Doch damit ist jetzt Schluss, denn das ägyptische Handelsministerium hat ein Importverbot für alle so genannten "folkloristischen Produkte" verhängt. Dadurch sollen die einheimischen Handwerker und Händler gestärkt werden. Abdul Agab merkt davon allerdings im Moment noch nichts.
"Die Einzelteile, die ich von anderen Werkstätten kaufe, sind teurer geworden. Ein Händler hat mir neulich gesagt, dass es wegen des Importverbots ist. Ich habe mich mit ihm gestritten, denn er nutzt die Leute aus. Er hat es sogar zugegeben. Aber es war ihm egal."
In der chinesischen Botschaft in Kairo reagiert man diplomatisch auf das Importverbot. Han Bing, Leiter des Wirtschaftsreferats, lässt jedoch durchblicken, dass man verwundert gewesen sei über die Entscheidung:
"Wir haben davon aus den Medien erfahren. Wir haben keine offizielle Information dazu bekommen. Ich denke, wenn die Ägypter ihre eigenen folkloristischen Produkte schützen wollen, ist das ihr gutes Recht und wir werden das natürlich respektieren."
Unter den Begriff "folkloristische Produkte" fallen auch Souvenirs. Die Händler dürfen nicht nachbestellen. Abdul Fattah Wahba weiß nicht, wie es weitergeht, wenn sein Lager leer ist.
"Das Importverbot ist natürlich ein patriotischer Akt. Aber wirtschaftlich gesehen ist die Entscheidung leider nicht gut. Ehe man eine Sache verbietet, muss es eine Alternative geben. Die gibt es aber nicht. Die ägyptischen Werkstätten haben nämlich aufgehört, zu produzieren. Das Importverbot war vorschnell."
Nun gibt es also auch keine "Fanoos made in China" mehr. Immerhin, so sagen viele Ägypter, bekomme Ramadan dadurch ein Stück Authentizität von früher zurück.