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StartseiteUmwelt und VerbraucherBraune Brühe durch Braunkohlebergbau22.05.2013

Braune Brühe durch Braunkohlebergbau

Brandenburg versucht, die Verockerung von Flüssen zu stoppen

Die Folgen des Kohlebergbau in der Lausitz sind deutlich zu sehen. Mit dem Anstieg des Grundwassers in ehemaligen Braunkohlegruben gelangt Eisenhydroxid in die Flüsse und macht sie zur braunen Brühe. Jetzt sollen die Gewässer wieder sauber werden.

Von Axel Flemming

Die Stange eines Spreekahn-Fahrmannes im ockerfarbenen Wasser der Spree (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Die Stange eines Spreekahn-Fahrmannes im ockerfarbenen Wasser der Spree (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
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"Das sieht auch übel aus ..."

Das Vetschauer Mühlenfließ sieht rostig und schlammig aus. Noch hält ein Wehr das belastete Wasser zurück.

"35 Prozent der hydraulischen Eisenfracht stammt aus dem Vetschauer Mühlenfließ. Aufgrund dieser und anderer Erkenntnisse aus unseren Untersuchungen im Auftrage der LMBV kam die Empfehlung im letzten Jahr, die ehemalige Wasserreinigungsanlage Vetschau in Betrieb zu nehmen."

Mahmut Kuyumcu, Präsident der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Er dreht mit Ralf Christoffers, dem Wirtschaftsminister von Brandenburg, an einem Absperrrad, die Schieber heben sich, das Wasser kann in die Grubenwasser-Reinigungsanlage fließen. Ein wichtiger Schritt, sagt der Linken-Politiker:

"Wir werden die Eisenoxidbelastung sichtbar 2013 reduzieren können und mit weiteren Maßnahmen auch an der Quelle bekämpfen können."

Die Anlage soll das Wasser säubern, das aus den ausgekohlten Braunkohlegruben in Ostsachsen und Südbrandenburg nach Norden strömt. Sie soll so die Eisenhydroxid-Belastung durch die alten Tagebaue deutlich vermindern. Klaus Zschiedrich, Bereichsleiter Ingenieurtechnik der LMBV:

"Die Verweilzeit dieses Wassers, bis es wieder ausströmt zum Beispiel, wird hier acht bis zehn Tage betragen. Und damit beruhigt sich dieses Wasser. Und die schweren Eisenanteile sinken auf den Boden, als Eisenhydroxidschlamm ausgebildet, die man dann von Zeit zu Zeit beräumen muss. In einer zweiten Phase, die wir im vierten Quartal mit den Bauarbeiten beginnen wollen, wird dem Wasser dann noch weiterhin Kalk und Flockungsmittel zugesetzt; wo man das gelöste Eisen, was man eigentlich nicht so sieht im Wasser, dann auch noch herausbekommt, sodass die zulässigen Einleitwerte, die bei drei Milligramm pro Liter ungefähr liegen, in den Fließgewässern - dass man die dann garantieren kann."

Die Inbetriebnahme der alten Reinigungsanlage ist nur einer der Punkte, die die LMBV in den kommenden Monaten abarbeiten muss. Bei einem Treffen in der Brandenburger Staatskanzlei hatten die Teilnehmer zehn Maßnahmen beschlossen, damit der ockerfarbene Eisenhydroxid-Schlamm noch vor dem beliebten Urlaubs- und Ausflugsziel Spreewald gestoppt werden kann. Ministerpräsident Matthias Platzeck setzte Klaus Freytag, den Leiter des Landesbergamtes, als Koordinator ein.

"Wir sind mit der Inbetriebnahme von weiteren Grubenwasserreinigungsanlagen weit im Planungsfortschritt, also dass man an allen zehn Punkten gleichzeitig arbeitet, um ein Schutzschild südlich des Spreewaldes aufzubauen. Ich nenne da immer so die Linie der Autobahn A13/A15, diesen Schutzschild jetzt wirksam zu machen, und das ist natürlich heute hier ein Highlight."

Schon im April liefen erste Aktionen zur Säuberung der Spree an.
Bagger holen Schlamm aus der kleinen hoch belasteten Wudritz westlich von Lübbenau. Aber die LMBV greift auch schon früher mit den Sanierungsarbeiten ein. Dazu kalkt sie das Wasser, derzeit noch im Lichtenauer See, demnächst im Restsee des ehemaligen Braunkohletagebaus Schlabendorf. Peter Stephan vom Aktionsbündnis "Klare Spree" ist einerseits zufrieden, sieht allerdings noch nicht alle Wünsche erfüllt:

"Na wir müssen das zentrale Problem in Spremberg lösen. Da ist aber auch das Land gefordert und Sachsen gefordert. Das Zweite ist: Die anderen Zuflüsse müssen an der Quelle behandelt werden, das heißt zum Beispiel Schlabendorfer See und andere. Wir wollen ja nicht, dass es durch die Dörfer gelb fließt und dann kurz vorm Spreewald erst abgefangen wird, sondern wir möchten es möglichst an der Quelle beseitigen und da gibt es noch genug Betätigungsfeld."

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