Es sind noch viele Touristen, die sich in diesen Septembertagen am Sandstrand von Ouranoupoli tummeln. Das kleine Städtchen bildet das Tor zur bekannten Mönchsrepublik Athos auf der griechischen Halbinsel Halkidiki. Doch Idylle mit den verträumten vorgelagerten Inseln ist bedroht. In der Ferne steigt täglich kilometerweit Rauch zum Himmel auf; dunkle Schwaden, die die Strandgäste beunruhigen oder verängstigen. Was sich dort wirklich abspielt, verraten ihnen die Einheimischen allerdings nicht.
"Es handelt sich um eine Müllhalde, die sich an einer der schönsten Stellen unserer Region befindet, direkt an einem Hang, wo bei Regen der Müll automatisch ins Meer weitergeleitet wird. Durch die ständig entstehende Methanproduktion entfacht sich immer wieder ein Feuer. Die Feuerwehr ist hier ständig im Einsatz. Eigentlich ist die Aussicht atemberaubend. Man blickt auf die schönen kleinen Eselsinseln und auf die Mönchsrepublik Athos. Deshalb sprechen wir hier nicht ohne Grund von unserem 'heiligen Müll!'"
Thanassis Kromidas hat zusammen mit 40 anderen Einwohnern des nahegelegenen Städtchens Ierissos das Schweigen gebrochen. Nachdem laut EU-Verordnung alle anderen Müllhalden in der Region geschlossen wurden und die Abfälle aus der gesamten Gegend auf der Halde von Ierissos landen, hört das Feuer niemals auf zu brennen. Auf der nahegelegenen Straße erschweren Rauch und Gestank die Durchfahrt. Und mit dem täglichen Südwind fliegen Plastiktüten und leichte Abfälle unkontrolliert durch die Gegend. Ein schändlicher Anblick, wie Thanassis meint. Er beschloss, zu handeln. Vor ein paar Wochen organisierte er bereits eine friedliche Demonstration und sensibilisierte die griechische Presse für dieses Problem. Und er bekam Unterstützung von der Ökologin Katerina Iglezi vom Verein "Bürger in Aktion".
"Die Müllhalde von Ierissos stellt nicht nur ein ästhetisches Problem dar, weil sie offen zugänglich ist und direkt an der Straße liegt. Sie bildet eine Gefahr für uns und unsere Kinder, da die entstehenden Dioxine mit dem Wind direkt in unsere Häuser hinein fliegen. Der Bürgermeister hat bei unserer Demo zum Glück gemerkt, dass wir ihm nicht schaden wollen. Wir glauben nur, dass die Politiker in Griechenland erst dann aktiv werden, wenn sie merken, dass ihre Wähler aufgebracht sind. Genau das haben wir bezweckt. Das Versprechen vor seiner Wahl, in unserer Gemeinde ein Recyclingverfahren einzuführen, hat er ja auch nicht eingehalten."
In der Gemeinde von Ierissos treffe ich Bürgermeister Michalis Blachopoulos. Ich bitte ihn um eine Stellungnahme zur Zukunft der Müllhalde am Rand seines Heimatstädtchens Ierissos. Er überlegt sehr genau, bevor er antwortet; auch, weil die Region weiter deutsche Touristen anlocken soll.
"Ich kann Sie beruhigen. Wir haben gerade eine schriftliche Vereinbarung mit der Müllverbrennungsanlage in Thessaloniki getroffen, die unseren Müll für die nächsten Monate annehmen will. Somit dürfen Sie die Müllhalde als geschlossen betrachten. Doch das Hauptproblem ist damit für mich noch nicht gelöst. Wie in ganz Griechenland so auch bei uns weiß niemand wohin mit dem Baumüll. So wird unsere Müllhalde momentan auch dafür benutzt, dass jeder Bauingenieur oder Privatmann nach dem Bau seines Hauses alles was übrig bleibt dort unkontrolliert ablagert. Als Erstes können wir diesen Schutt dafür nutzen, um die Müllhalde abzudecken. Doch danach brauchen wir dringend Förderung von der Regierung, damit wir mit einem notwendigen Recyclingverfahren beginnen können."
Fünfzig Euro pro Tonne Müll wird die Gemeinde von Ierissos für den Transport und die Lagerung des Mülls in der 100 Kilometer entfernten Verbrennungsanlage von Thessaloniki aufbringen müssen. Doch es handelt sich vorerst um eine befristete Vereinbarung. Und wie lange wird Thessaloniki den Fremdmüll aus Ierissos noch annehmen können? Wenn gar nichts mehr hilft, meint der Bürgermeister, dann bleibe nur ein Stoßgebet zum heiligen Berg Athos.
"Ich finde, hier könnte der Beitrag enden – sonst müssten Sie noch erklären, welche krummen Geschäfte die Mönche gemacht haben. Aber ich denke, das ist ein anderes Thema – oder haben die auch mit dem Müll zu tun?"
Schließlich seien die Mönche mit ihren vor kurzem erst aufgedeckten skandalösen Geschäften ja auch in der Lage, die griechische Regierung zu stürzen, die mit den Mönchen zusammengearbeitet habe. Am 4. Oktober werde das bei den vorgezogenen Wahlen der Fall sein, prophezeien die Experten. Also könnten sie mit Sicherheit auch eine Lösung für das Müllproblem am Fuße ihrer Mönchsrepublik herbeiführen, behauptet der Bürgermeister seelenruhig und lehnt sich gelassen auf seinem Sessel zurück.
"Es handelt sich um eine Müllhalde, die sich an einer der schönsten Stellen unserer Region befindet, direkt an einem Hang, wo bei Regen der Müll automatisch ins Meer weitergeleitet wird. Durch die ständig entstehende Methanproduktion entfacht sich immer wieder ein Feuer. Die Feuerwehr ist hier ständig im Einsatz. Eigentlich ist die Aussicht atemberaubend. Man blickt auf die schönen kleinen Eselsinseln und auf die Mönchsrepublik Athos. Deshalb sprechen wir hier nicht ohne Grund von unserem 'heiligen Müll!'"
Thanassis Kromidas hat zusammen mit 40 anderen Einwohnern des nahegelegenen Städtchens Ierissos das Schweigen gebrochen. Nachdem laut EU-Verordnung alle anderen Müllhalden in der Region geschlossen wurden und die Abfälle aus der gesamten Gegend auf der Halde von Ierissos landen, hört das Feuer niemals auf zu brennen. Auf der nahegelegenen Straße erschweren Rauch und Gestank die Durchfahrt. Und mit dem täglichen Südwind fliegen Plastiktüten und leichte Abfälle unkontrolliert durch die Gegend. Ein schändlicher Anblick, wie Thanassis meint. Er beschloss, zu handeln. Vor ein paar Wochen organisierte er bereits eine friedliche Demonstration und sensibilisierte die griechische Presse für dieses Problem. Und er bekam Unterstützung von der Ökologin Katerina Iglezi vom Verein "Bürger in Aktion".
"Die Müllhalde von Ierissos stellt nicht nur ein ästhetisches Problem dar, weil sie offen zugänglich ist und direkt an der Straße liegt. Sie bildet eine Gefahr für uns und unsere Kinder, da die entstehenden Dioxine mit dem Wind direkt in unsere Häuser hinein fliegen. Der Bürgermeister hat bei unserer Demo zum Glück gemerkt, dass wir ihm nicht schaden wollen. Wir glauben nur, dass die Politiker in Griechenland erst dann aktiv werden, wenn sie merken, dass ihre Wähler aufgebracht sind. Genau das haben wir bezweckt. Das Versprechen vor seiner Wahl, in unserer Gemeinde ein Recyclingverfahren einzuführen, hat er ja auch nicht eingehalten."
In der Gemeinde von Ierissos treffe ich Bürgermeister Michalis Blachopoulos. Ich bitte ihn um eine Stellungnahme zur Zukunft der Müllhalde am Rand seines Heimatstädtchens Ierissos. Er überlegt sehr genau, bevor er antwortet; auch, weil die Region weiter deutsche Touristen anlocken soll.
"Ich kann Sie beruhigen. Wir haben gerade eine schriftliche Vereinbarung mit der Müllverbrennungsanlage in Thessaloniki getroffen, die unseren Müll für die nächsten Monate annehmen will. Somit dürfen Sie die Müllhalde als geschlossen betrachten. Doch das Hauptproblem ist damit für mich noch nicht gelöst. Wie in ganz Griechenland so auch bei uns weiß niemand wohin mit dem Baumüll. So wird unsere Müllhalde momentan auch dafür benutzt, dass jeder Bauingenieur oder Privatmann nach dem Bau seines Hauses alles was übrig bleibt dort unkontrolliert ablagert. Als Erstes können wir diesen Schutt dafür nutzen, um die Müllhalde abzudecken. Doch danach brauchen wir dringend Förderung von der Regierung, damit wir mit einem notwendigen Recyclingverfahren beginnen können."
Fünfzig Euro pro Tonne Müll wird die Gemeinde von Ierissos für den Transport und die Lagerung des Mülls in der 100 Kilometer entfernten Verbrennungsanlage von Thessaloniki aufbringen müssen. Doch es handelt sich vorerst um eine befristete Vereinbarung. Und wie lange wird Thessaloniki den Fremdmüll aus Ierissos noch annehmen können? Wenn gar nichts mehr hilft, meint der Bürgermeister, dann bleibe nur ein Stoßgebet zum heiligen Berg Athos.
"Ich finde, hier könnte der Beitrag enden – sonst müssten Sie noch erklären, welche krummen Geschäfte die Mönche gemacht haben. Aber ich denke, das ist ein anderes Thema – oder haben die auch mit dem Müll zu tun?"
Schließlich seien die Mönche mit ihren vor kurzem erst aufgedeckten skandalösen Geschäften ja auch in der Lage, die griechische Regierung zu stürzen, die mit den Mönchen zusammengearbeitet habe. Am 4. Oktober werde das bei den vorgezogenen Wahlen der Fall sein, prophezeien die Experten. Also könnten sie mit Sicherheit auch eine Lösung für das Müllproblem am Fuße ihrer Mönchsrepublik herbeiführen, behauptet der Bürgermeister seelenruhig und lehnt sich gelassen auf seinem Sessel zurück.