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StartseiteMusikjournal"Lieber Ludwig, da ist man demütig, überwältigt"31.08.2020

Briefe an Beethoven"Lieber Ludwig, da ist man demütig, überwältigt"

Die Sopranistin Edda Moser ist voller Dank an Beethoven. Sie erinnert sich an Momente, in denen sie seine Musik "wahrlich auf den Knien ihres Herzens" sang. Beethoven war nicht nur ein Komponist, er begleitete ihr Leben.

Von Edda Moser

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Eine ältere Dame sitzt in einem Radiostudio und lächelt in die Kamera, während sie den Kopf auf die Hände gestützt hat. (Deutschlandradio / Jochen Hubmacher)
Zu Gast im Studio des Deutschlandfunk: Edda Moser. (Deutschlandradio / Jochen Hubmacher)
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Hochverehrter Meister!

Die Ehre, Ihnen zu schreiben, die Ehre, vielleicht von Ihnen empfangen und gelesen zu werden, erfüllt mich mit großer Freude und großer Angst, Ihrem Ruhm nicht gerecht zu werden.

Dankbarkeit ist die Erinnerung des Herzens. Dieses Empfinden steht an erster Stelle meines Briefes.

Ich wuchs in einem der Musik zutiefst verbundenen Elternhaus auf, und ich hörte, als ich noch in den Windeln lag, wie Mutter Ihr Violinkonzert und Vater Ihre Lieder übten. Und das Kind belauschte und bestaunte in seinem Bettchen die wundersamen Klänge.

Später wurde ich unter dem Bechstein-Flügel geparkt, wenn Mutter auf Essensjagd ging, es war schon endlich Kriegsende, in Berlin hungerten die Menschen, und niemand konnte das Kind behüten. So setzte man mich unter den Flügel, wo Vater Beethoven übte.

Und dann begann der Lebensweg als Sängerin. Und die Hoffnung, Ihren "Fidelio" einmal den Menschen vorzusingen oder die "Missa Solemnis" zu verkündigen. Und der Tag kam. Helmut Kohl, mein wundersamer Freund, hörte zu gern meine Geschichten, wenn ich ihm vom Theater, der Oper, den Konzerten und den Schallplattenaufnahmen berichtete. Wie ich "Fidelio" in seiner Ur-Fassung in Dresden aufnahm, in Amerika sang, und dann auf seinen, Kohl’s, Wunsch hin, in Leipzig am 3. Oktober 1990, wahrlich auf den Knien meines Herzens, "Fidelio" sang.

Der Moment, wo Leonore Florestan die Ketten abnehmen durfte mit den Worten "O Gott, welch ein Augenblick", da ist man demütig, dankbar, überwältigt, es tun zu dürfen.

Wunderbarer Beethoven!

Ihre Edda Moser

Beethoven 2020 (Deutschlandradio / imago / Klaus W. Schmidt) (Deutschlandradio / imago / Klaus W. Schmidt)

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