Nach Oberhaus-Entscheidung
Britische Wissenschaftler warnen vor Aktionismus bei Social-Media-Verbot für Jugendliche

In Großbritannien haben Forschende verschiedener Universitäten vor einem voreiligen Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche gewarnt.

    Mehrere Apps wie Facebook, Instagram und Youtube auf einem Smartphone.
    Mehrere Wissenschaftlerinnen warnen vor einem voreiligen Social-Media-Verbot. (picture alliance / empics / Yui Mok)
    Die generalisierende Aussage, dass Social Media an sich schädlich sei, werde nicht von Fakten getragen, sagte die Psychiaterin Holly Bear von der Universität Oxford dem Science Media Center. Die bisherige Forschung zu dem Thema erlaube es nicht, kausale Zusammenhänge zwischen der psychischen Gesundheit Jugendlicher und der Nutzung sozialer Netzwerke zu ziehen.

    Psychiaterin: Reine Nutzung birgt noch keine Risiken

    Zeit, die online verbracht werde, sei an sich noch kein Risikofaktor. Entscheidend sei, wie junge Menschen auf Online-Inhalte stießen und damit interagierten und welchen Inhalten sie ausgesetzt seien. Potenziell schädlich seien Posts, die sexualisierte oder verstörende Inhalte hätten, Selbstverletzung, Onlinemobbing oder unrealistische Körperideale zum Thema hätten, so Bear.
    Margarita Panayiotou von der Universität Manchester warnt, dass Verbote dazu führen könnten, dass Social-Media-Plattformen nicht mehr in die Verantwortung genommen würden und es noch weniger Regulierung gebe als bisher. Wenn man es mit dem Schutz junger Menschen ernst meine, brauche man evidenzbasierte Lösungen.
    Der Psychologe Chris Ferguson von der Stetson University betont, das Verbot sei aller Wahrscheinlichkeit nach eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen. Außerdem verhindere es, dass Kinder lernen, mit sozialen Medien verantwortungsvoll umzugehen. Die Debatte lenke von den wahren Risikofaktoren für die mentale Gesundheit junger Menschen ab, das seien Familienprobleme und das Versagen der Schulen.

    Oberhaus stimmte für Verbot

    Das Oberhaus des britischen Parlaments hatte für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nach dem Vorbild eines ähnlichen Gesetzes in Australien gestimmt. Die Parlamentskammer stimmte der von dem konservativen Abgeordneten Nash eingebrachten Gesetzesänderung mit 261 zu 150 Stimmen zu.
    Mit der Abstimmung wächst der Druck auf Großbritanniens Premierminister Starmer, ein Social-Media-Verbot zu erlassen. Vor der Abstimmung hatte die britische Regierung erklärt, sie werde den Änderungsantrag nicht akzeptieren, der nun zur Abstimmung an das Unterhaus übergeben wird.
    In Australien gilt seit Dezember ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Seither nimmt der Staat die Anbieter von Onlinediensten wie Tiktok, Instagram und Snapchat in die Pflicht, die Konten von Nutzern, die unter 16 Jahre alt sind, zu löschen. Den Plattformen drohen hohe Geldstrafen , wenn sie die Vorschriften nicht einhalten.
    Diese Nachricht wurde am 22.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.