
Kurz darauf gab der Labour-Abgeordnete Burnham offiziell bekannt, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Im Fall seiner Wahl könnte er auch das Amt des Premierministers übernehmen. Der ehemalige Gesundheitsminister Streeting, der ebenfalls eine Kandidatur erwogen hatte, teilte mit, dass er Burnham unterstütze.
Starmer erinnerte an die in seiner Amtszeit erzielten Erfolge. Premierminister zu werden sei "der stolzeste Moment" seines Lebens gewesen. Er habe 2024 eine völlig am Boden liegende Partei übernommen, Labour sei "politisch, finanziell und moralisch bankrott" gewesen. Er habe die Partei jedoch zum Besseren verändert, indem er "das Gift des Antisemitismus herausgerissen" habe. "Das Vertrauen in die Wirtschaft, die Verteidigung und die nationale Sicherheit" sei während seiner Amtszeit wiederhergestellt worden. Nun werde er jedoch alles in seiner Macht Stehende tun, um einen geordneten Machtwechsel zu gewährleisten.
Neuer Premier wohl im September
Starmer will bis zur Wahl seines Nachfolgers Regierungschef bleiben. Das Verfahren zur Wahl eines neuen Vorsitzenden der Labour-Partei werde im Juli gestartet. Sein Nachfolger könnte den Labour-Vorsitz und das damit verknüpfte Amt des Premierministers dann voraussichtlich im September antreten. Der Nachfolger wird der siebte britische Regierungschef binnen zehn Jahren.
Starmer hatte das Amt des Premierministers nach dem Wahlsieg seiner sozialdemokratischen Labour-Partei im Juli 2024 übernommen. Nach schweren Verlusten bei den Kommunalwahlen im Mai und dem Rücktritt führender Kabinettsmitglieder aus Protest gegen seinen Führungsstil war der Druck zuletzt massiv gestiegen.
Weiter verschärft hatte sich die Lage für Starmer am Freitag, als sein parteiinterner Rivale Burnham einen Sitz im Parlament gewann, was diesem eine formale Kandidatur für den Parteivorsitz ermöglicht. Burnham hätte Starmer Berichten zufolge in eine Führungswahl gezwungen, wäre der Premier zu einer anderen Entscheidung gekommen.
Farage fordert Neuwahlen
Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Reform UK, Farage, forderte nach Starmers Rücktritt Neuwahlen. Es brauche radikale Veränderungen in Großbritannien, erklärte Farage. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen lobte Starmer hingegen als herausragenden Staatsmann. Er habe viel für die Sicherheit Europas und der Ukraine getan.
In Deutschland wurde der Rücktritt zurückhaltend aufgenommen. "Die Bundesregierung hat in Keir Starmer immer einen verlässlichen und engen Partner gehabt in außenpolitischen und gerade die Ukraine betreffenden Fragen", sagte Regierungssprecher Kornelius. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ahmetovic, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Für Labour bleiben nicht mehr viele Chancen, diese Entscheidung muss daher sitzen." Eine stabile britische Regierung liege im deutschen und europäischen Interesse.
Diese Nachricht wurde am 22.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



