Juristin
Brosius-Gersdorf: Frauenfeindlichkeit verhinderte Richterwahl

Frauenfeindlichkeit in Deutschland hat nach Ansicht der Juristin Brosius-Gersdorf dazu beigetragen, dass ihre Wahl zur Richterin am Bundesverfassungsgericht gescheitert ist. Beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group erklärte sie, ihr seien Eigenschaften zum Vorwurf gemacht worden, die bei Männern als positiv gelten.

    Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf gestikuliert vor blauem Hintergrund.
    Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf sieht Frauenfeindlichkeit als einen Grund für ihre gescheiterte Wahl zur Verfassungsrichterin. (picture alliance/dpa | Britta Pedersen)
    Im Rückblick müsse man sagen, dass ein "ganzes Stück Frauenfeindlichkeit" dabei gewesen sei. Da müsse man nicht nur in die sozialen Medien schauen, wo bis zum heutigen Tag Hass und Hetze im Zusammenhang mit der Richterwahl verbreitet werde und das oft sexistisch frauenfeindlich unterlegt werde.

    Brosius-Gersdorf prangert Ungleichbehandlung gegenüber potenziellen männlichen Kandidaten an

    Was sie im Nachhinein besonders verstört und gestört habe, sei, dass ihr von Medien und aus Reihen der Politik vorgeworfen worden sei, dass sie ihre Wissenschaft an die Öffentlichkeit transferiert habe. Man habe sie als "exponiert, profiliert und selbstbewusst" bezeichnet - Eigenschaften, die, so Brosius-Gersdorf, bei einem Mann als souverän und durchsetzungsstark gewertet worden wären.
    Sie bedauerte, dass ihr in der Debatte nicht die Gelegenheit gegeben wurde, sich selbst in der Unionsfraktion im Bundestag auf der Sachebene zu den Vorwürfen zu äußern. Sie sei nie eingeladen worden.
    Brosius-Gersdorf ist seit Oktober 2021 Inhaberin des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam. Im Juli 2025 sollte sie auf Vorschlag der SPD zur Richterin des Bundesverfassungsgerichts gewählt werden. Wegen Vorbehalten aus der Union gegen sie wurde die Wahl abgesagt. Im August zog sie schließlich ihre Kandidatur zurück.
    Diese Nachricht wurde am 01.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.