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StartseiteDie neue Platte"Bruckner - Symphony No.7"10.02.2002

"Bruckner - Symphony No.7"

Linos Ensemble

Die CD "Bruckner - Symphony No.7" sprengte eigentlich jeden Rahmen. Sie ist bei Capriccio erschienen und wurde vom Westdeutschen Rundfunk produziert. Das Linos-Ensemble spielt darauf nur ein einziges Werk: Die 7.Symphonie E-dur von Anton Bruckner in einer Bearbeitung für groß besetztes Kammerensemble. Hinter der Bearbeitung steckten einmal drei kluge Köpfe, nämlich Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl. Die arrangierten im Herbst 1921 für Arnold Schönbergs "Verein für musikalische Privataufführungen" Bruckners Siebente für Klarinette, Horn, Streichquintett, Klavier und Harmonium. Das war natürlich ein abenteuerliches Unterfangen, und zunächst ging das ganze Abenteuer auch gar nicht gut aus, denn als die drei mit ihrer Arbeit fertig waren, war der ganze Verein pleite. Hanns Eisler hatte übrigens den ersten und den dritten Satz übernommen, Stein machte sich über das Adagio her und Rankl bearbeitete das Finale. Aufgeführt wurde dieser Bruckner für Arme dann nicht mehr.

Norbert Ely

Hört man sich die neue CD mit dem hochkarätig besetzten Linos-Ensemble an, so sollte man tunlichst versuchen, den gewohnten Orchestersound erst einmal so weit wie möglich aus der Erinnerung zu verbannen. Das funktioniert natürlich nur bedingt. Allein Bruckners Umgang mit der Zeit scheint dem entgegenzustehen. Anderseits dauert der erste Satz des Klavierquintetts von Wilhelm Furtwängler länger als das einleitende Allegro moderato von Bruckners Siebenter. Auf jeden Fall hat die Sache einen hohen Reiz. In diesem Kopfsatz tritt die Struktur der Symphonie auf überraschende Weise zutage, zumal Eisler das Klavier keineswegs dazu benutzte, sozusagen die Basis in Form einer Art Klavierauszug abzugeben, den der Bearbeiter dann mit zusätzlichen Farben hätte anreichern können. Das Piano spielt vielmehr eine eher untergeordnete Rolle als ein- und zweistimmiges Melodieinstrument, gelegentlich als Akkordarbeiter. Bei der Steigerung am Schluss des 1. Satzes geht einem Nonett dann allerdings zwangsläufig die Puste aus. Dafür kann man sich umso mehr mit dem Adagio anfreunden. * Musikbeispiel: Anton Bruckner (bearb.: Hanns Eisler, Erwin Stein, Karl Rankl) - Adagio aus: Sinfonie Nr. 7 E-dur für Klarinette, Horn, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klavier und Harmoniums Soweit das Adagio aus Bruckners 7. Symphonie, gespielt vom Linos-Ensemble in einer Nonett-Besetzung einschließlich Klavier und Harmonium. Dem Scherzo kann die Kammerfassung erwartungsgemäß noch am ehesten gerecht werden. Was aber macht man mit einem Brucknerschen Finale? Nun, man spielt, was Lunge und Hände hergeben. Das Fatale an Bruckner ist, dass sein Einfallsreichtum durchaus gewissen Begrenzungen unterlag. Hinzukommt, dass in einer Symphonie verständlicherweise der Ausdrucksreichtum der einzelnen Instrumente nicht so extrem genutzt wird wie in der genuinen Kammermusik. Wenn dreißig Geigen ein langes, aufgeregtes Tremolo spielen, dann hat das seine Wirkung. Wenn zwei Geiger gegen Ende des Finales tremolieren, was die Bogenhaare hergeben, dann kann man das Moment von Verzweiflung, das dabei zutage tritt, kaum überhören. Zwei einzelne Violinen sind im Prinzip eben doch zu schade für diese Art von finalem Säbeltanz. Das aber liegt unverkennbar auch an den Spezifika der Brucknerschen Sinfonik; Mahler lässt sich auf viel schlüssigere Weise von einem Kammerensemble realisieren. * Musikbeispiel: Anton Bruckner (bearb.: Hanns Eisler, Erwin Stein, Karl Rankl) - Finale aus: Sinfonie Nr. 7 E-dur für Klarinette, Horn, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klavier und Harmoniums Soviel zu der Einspielung von Bruckners 7.Symphonie durch das Linos-Ensemble. Es handelt sich, wie gesagt, um eine Bearbeitung durch Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl aus dem Jahr 1921, gedacht für Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen. Erschienen ist die CD bei dem Label Capriccio.

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