
Der Landesvorstand beschloss einstimmig, das Angebot der AfD anzunehmen. Ein Sprecher sagte, bei dem Treffen werde es um die Themen Energieversorgung, Bildung und Friedenspolitik gehen. Vertreter von CDU, SPD, Grünen und Linken hatten das Gesprächsangebot der AfD ausgeschlagen. BSW-Spitzenkandidat Schulze kritisierte diese Entscheidungen. Dass andere Parteien bereits das Gespräch an sich ablehnten, halte er für einen schlechten politischen Umgang und für "kein gutes Zeichen für die demokratische Kultur" in Deutschland.
+++ In Sachsen-Anhalt haben CDU, SPD, Grüne und Linke Gesprächsangebote der AfD über eine Regierungsbildung ausgeschlagen.
Die SPD-Landesspitze teilte mit, zwischen der eigenen Partei und der AfD gebe es grundlegende politische und normative Gegensätze. Grünen-Spitzenkandidatin Sziborra-Seidlitz sagte, es sei absurd anzunehmen, dass man mit der rechtsextremen AfD Gespräche über die Zukunft des Landes führen werde. Die Linke erklärte, mit einer Partei, die Menschen nach Herkunft, vermeintlicher Zugehörigkeit und Überzeugung aussortiere, habe man keine Gesprächsbasis. Auch eine CDU-Sprecherin teilte mit, man werde das Gesprächsangebot nicht annehmen.
Der BSW-Landesvorstand in Sachsen-Anhalt betonte dagegen, man sei grundsätzlich bereit, mit allen Parteien zu sprechen.
+++ Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Peglow, hat vor einer AfD-geführten Regierung in Sachsen-Anhalt gewarnt.
Er sagte dem "Handelsblatt", eine solche könne zu einer realen Gefahr für die nationale Sicherheit und für die Funktionsfähigkeit des demokratischen Rechtsstaates werden. Er halte es für unabdingbar, bei konkreten Sicherheitsbedenken den Zugang zu besonders sensiblen Informationen einzuschränken.
+++ Tübingens Oberbürgermeister Palmer sieht in einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt unter bestimmten Voraussetzungen eine Chance, die Partei in die Verantwortung zu nehmen, ohne ein maximales Risiko einzugehen.
Im Podcast des Journalisten Constantin Schreiber bezeichnete er den Ausgang der Landtagswahl als Glücksfall, weil die AfD keine absolute Mehrheit erringen konnte. Jetzt ließe sich ausprobieren, was tatsächlich passiere, wenn die AfD den Ministerpräsidenten stelle. Palmer betonte, sollte AfD-Spitzenkandidat Siegmund mit Hilfe des BSW zum Regierungschef gewählt werden, müsste dessen Partei sich anstrengen, Mehrheiten für jede einzelne Vorlage zu gewinnen.
+++ Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Schweitzer plädiert dafür, die Idee einer sogenannten Expertenregierung in Sachsen-Anhalt in Erwägung zu ziehen.
Eine von allen anderen Fraktionen getragene Expertenregierung könnte das Szenario eines AfD-Ministerpräsidenten abwenden, sagte der frühere rheinland-pfälzische Regierungschef der Zeitung "Rheinpfalz". Das Wahlergebnis dürfe nicht zu einer Schockstarre führen. Nach dem Erfolg der AfD hatte das BSW erneut die Idee eines überparteilichen Ministerpräsidenten ins Gespräch gebracht. Die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen äußerten sich grundsätzlich gesprächsbereit.
+++ Die Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD, Weidel, hat zu Beginn der Generaldebatte im Bundestag den Sieg ihrer Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt proklamiert.
Schwarz-rot sei vorbei, die Menschen wollten einen Politikwechsel, sagte Weidel in ihrer Rede. Die CDU sei pulverisiert worden. Sie griff die Finanzpolitik der Bundesregierung an und warf ihr eine beispiellose Schuldenpolitik vor. Die Staatsfinanzen seien zerrüttet.
Merz konterte, die AfD sei eine destruktive Kraft. Er warf der Partei vor, Deutschland durch ihre Nähe zu Moskau zu schaden. Der Kanzler sicherte der Ukraine Unterstützung zu. Weiter betonte er, die Menschen in Deutschland wollten vor äußeren und inneren Bedrohungen geschützt werden. Dazu brauche es eine starke Wirtschaft. Die Bundesregierung sei hier auf dem richtigen Weg. Es brauche aber weitere Reformen.
+++ Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Wiese, hat die Reaktion von US-Präsident Trump auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt zurückgewiesen.
Diese Einmischung gehe nicht, sagte Wiese in Berlin. Bundeskanzler Merz müsse bei seinem nächsten Treffen mit Trump "Tacheles" reden. Der Bundeskanzler habe aus seiner Perspektive einen guten Draht zum US-Präsidenten. Deshalb erwarte er, dass das Thema bei der nächsten Begegnung auf den Tisch komme, sagte Wiese. Die Bundesregierung könne sich das nicht gefallen lassen.
Trump hatte in der Nacht auf seiner Online-Plattform der AfD zum Wahlsieg gratuliert. Zudem schrieb er, die Wähler seien die schrecklichen Einwanderungsregeln und -vorschriften leid, die Deutschland so sehr geschadet hätten. Er setzte die Abkürzung MGGA gefolgt von drei Ausrufezeichen in seinen Text. In Anspielung an die sogenannte Maga-Bewegung ("Make America Great Again") dürfte das für "Make Germany Great Again" stehen.
+++ Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Frei hat sich nach der Niederlage seiner Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zur Reformpolitik der Bundesregierung bekannt.
Frei sagte im Deutschlandfunk, entscheidend in der schwierigen Situation seien jetzt Klarheit und Geschlossenheit
. Es brauche die Kraft der ganzen Koalition, diese beidseitigen Kompromisse umzusetzen. Zuvor hatte der SPD-Chef Klingbeil erklärt, man wolle grundsätzlich an den Reformplänen der Bundesregierung festhalten. Kurskorrekturen seien aber nicht ausgeschlossen. Man müsse für wirkliche Verbesserungen sorgen - in der Rente, in der Pflege und im Gesundheitssystem, sagte er im ARD-Fernsehen.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, meinte, die Politik dürfe aus Wahlergebnissen nicht den Schluss ziehen, den Bürgern notwendige Veränderungen nicht mehr zumuten zu können. Er befürchte, dass angekündigte Reformen nun ausbleiben könnten, sagte Fratzscher im Deutschlandfunk .
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, meinte, die Politik dürfe aus Wahlergebnissen nicht den Schluss ziehen, den Bürgern notwendige Veränderungen nicht mehr zumuten zu können. Er befürchte, dass angekündigte Reformen nun ausbleiben könnten, sagte Fratzscher im Deutschlandfunk .
+++ Sachsen-Anhalts scheidende Regierung verzichtet nach dem Wahlsieg der AfD auf den turnusgemäßen Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz Anfang Oktober.
Der geschäftsführende Regierungschef Schulze begründete dies in einem Schreiben an den MPK-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Schnieder, mit der unsicheren Regierungsbildung in Magdeburg. Dies wurde dem Deutschlandfunk bestätigt. Die AfD ist im Parlament stärkste Kraft, braucht aber einen Partner für eine Mehrheit. Die BSW-Fraktionsführung in Sachsen-Anhalt kritisierte Schulze für dessen Plan. Dieser habe die Wahl verloren und versuche jetzt offenbar, seinem Nachfolger Gestaltungsmöglichkeiten zu nehmen, hieß es. Das BSW warf Schulze ein fragwürdiges Demokratieverständnis vor.
Regierungschef Schulze von der CDU bleibt bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten zunächst im Amt. Am Nachmittag wählte ihn die CDU-Fraktion zu ihrem neuen Vorsitzenden.
Der Politikpodcast:
Sachsen-Anhalt hat gewählt – und jetzt?
Diese Nachricht wurde am 09.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
