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StartseiteCorsoWie wir mit psychischen Krankheiten umgehen25.03.2020

Buch von Helene BockhorstWie wir mit psychischen Krankheiten umgehen

"Die beste Depression der Welt" - so heißt Helene Bockhorsts Debüt-Roman, der dem sozialen Umgang mit psychischen Krankheiten mit Witz begegnet. "Für mich ist Humor ein Bewältigungsmechanismus", sagte die Autorin und Comedienne im Deutschlandfunk.

Helene Bockhorst im Gespräch mit Anja Buchmann

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Porträt der Comedienne Helene Bockhorst (Sascha Moll)
Comedienne Helene Bockhorst hat einen Roman über Depressionen geschrieben und vermisst nun die Bühne (Sascha Moll)
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Vera ist Anfang 30. Nach einem missglückten Selbstmordversuch geht ihr Blog viral und sie soll für einen Verlag einen Ratgeber zu Depressionen verfassen. Nur hat sie – aufgrund ihrer Depressionen – eine Schreibblockade. Soweit die Grundkonstellation in "Die beste Depression der Welt".

Nichts hat Konsequenzen

Mit ihrem Roman-Debüt hat die 33-jährige Commedienne, Helene Bockhorst, versucht, ein Portrait ihrer Generation zu zeichnen. Im Deutschlandfunk sagte sie, diese sei maßgeblich von der Erfahrung geprägt, "dass man alles ins Internet stellen und wieder löschen kann. Dass nichts Konsequenzen hat. Das führt dazu, dass man sich da schwertut, bei einer Idee zu bleiben, ein Projekt durchzuziehen und seine Lebenssituation auch permanent zu gestalten."

Bereits in ihrem Bühnenprogramm "Die fabelhafte Welt der Therapie" spielt der humorvolle Umgang mit psychischen Erkrankungen eine große Rolle. Meist beginnt sie dieses mit so Sätzen wie "Mein Problem ist nicht mein Selbstwertgefühl – ich bin kacke". Für Helene Bockhorst ist der humorvolle Umgang mit psychischen Erkrankungen "ein Bewältigungsmechanismus. Wenn dadurch Gefühle verletzt werden, dann tut mir das Leid". Aber: "Ich brauch das auch, darüber zu reden und darüber zu lachen."

Psychische Krankheiten im Kapitalismus

Ausschlaggebend für ihren Roman war unter anderem eine Beobachtung über den gesellschaftlichen Umgang mit Depressionen, die Helene Bockhorst gemacht hat und die bereits im Titel des Buches steckt: "Das Interessante ist ja, dass es da so überhaupt etwas wie einen Wettbewerb gibt, dass Leute immer vergleichen wollen, wem es am Schlimmsten geht. Wer hat die schlimmste und wer hat die beste Depression."

Alleine dieser Eindruck weckte ihr Misstrauen, dass die Gesellschaft wirklich tolerant gegenüber psychischen Krankheiten geworden sei:

"Mein Eindruck ist, dass diese Toleranz nur so lange gilt, bis es für jemand anderen einen Nachteil ist, dass jemand eine psychische Erkrankung hat. Dann ist die Toleranz ganz schnell vorbei."

"Es braucht die Zuschauer"

In der derzeitigen Corona-Krise sind ihre Veranstaltungen abgesagt worden. Lesungen aus ihren Roman zu streamen, ist für sie jedoch kein Ersatz, wie die Künstlerin sagte. Bei Online-Veranstaltungen ohne die gleichzeitige körperliche Anwesenheit von Publikum und Autorin ginge etwas verloren. Nämlich: "Wie viel von dem Zauber das Publikum mitbringt. Es ist ein gemeinschaftliches Erlebnis, eine Massenhypnose. Es braucht die Zuschauer, damit es das ist, was es ist."

Helene Bockhorst: "Die beste Depression der Welt"
Ullstein-Verlag Berlin, 2020. 320 Seiten, 20 Euro.

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