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StartseiteCorsoComic-Oper in drei Heften07.02.2014

BühneComic-Oper in drei Heften

Eugen Egner schreibt und zeichnet unter anderem für die "Titanic", für den "Rolling Stone" und die "Welt". Weniger bekannt ist sein Roman "Der Universums Skulp" aus den 90er-Jahren. Bis jetzt. Der Komponist Stephan Winkler hat ihn wiederentdeckt und bringt ihn in Wuppertal als Oper auf die Bühne.

Von Kai Löffler

Ein roter geschlossener Vorhang. (dpa / picture alliance / Hans-Jürgen Wiedl)
Eugen Egner ist eigentlich kein Opernfreund, dennoch hat er einer Adaption seines Romans "Der Universums Skulp" für die Bühne zugestimmt. (dpa / picture alliance / Hans-Jürgen Wiedl)

Als der Schriftsteller Traugott Neimann zugedröhnt und singend aus dem Fenster stürzt, beginnt eine ziemlich absurde Geschichte, in der es unter anderem um den Zusammenhang von Drogen und Kreativität geht, um eine bizarre Maschine und am Ende sogar um die ultimative Umwälzung: den "Universums Stulp".

Eine halbe Woche vor der Uraufführung in der Wuppertaler Oper hakt noch hier und da die Technik. Kein Wunder, denn die ambitionierte Inszenierung ambitionierten Adaption dieses ambitionierten Romans ist ein logistischer Albtraum. Regisseur:

"Es passiert wahnsinnig viel auf der Bühne. Man sieht die Hauptfigur, den Dichter Neimann, der eine Schreibkrise hat. Dann schließt sich dieses Zimmer und man sieht quasi den Zeitsprung. Die Frau von seinem Freund Valerian ist verschwunden. Dann schließt sich das und plötzlich sehen wir auf der anderen Seite eine Imbissstube."

In der Mitte stehen zwei gewaltige, weiße Wände, die jeweils durch Heben und Senken die Abschnitte der Bühne in so etwas, wie bewegte Panels unterteilen, also eine Art Comicseite; eine bewusste Hommage von Komponist Stephan Winkler an die Cartoons von Eugen Egner. Der ist zwar begeistert von Winklers Adaption, sieht sich aber selbst eher als Wortkünstler.

"Ich bin ja kein Comic-Zeichner. Ich mach viele Cartoons, das verdankt sich dem Umstand, dass ich irgendwie Geld verdienen muss."

Und auch in der musikalischen Gattung fühlt er sich nicht zuhause:

"Ich bin überhaupt kein Opernfreund."

Zugestimmt hat Egner der Produktion trotzdem, unter anderem, weil er und Winkler seit Jahren befreundet sind. Außerdem legt der "Universums Stulp" für eine zeitgenössische Oper ungewöhnlich viel Wert auf Dialoge und Handlung, die eins zu eins aus dem Roman stammen. Und auch die "Location" war für Egner ein Plus:

"Ich find so lange Bahnreisen blöd. Und deswegen ist es ja auch dazu gekommen, dass die Premiere in Wuppertal stattfindet, damit ich auch hingehe, weil ich es da mit der Schwebebahn nicht weit habe."

Den "Universums Stulp" hat er Ende der 80er geschrieben; aber laut Thierry Bruehl bombardiert der skurrile Roman den Leser mit zeitlose Fragen:


"Flucht aus der Realität, was ist überhaupt Realität, sind die Träume, gehören die dazu, was passiert wenn sich Träume verselbstständigen, ist es nicht so, dass wir möglicherweise die Realität träumen?"

Außergewöhnlich ist auch der Gesangsstil.

"Der gesamte Gesang dieser Oper basiert auf Sprache, und zwar auf gesprochener Sprache, auf aufgenommener, transkribierter, gesprochener Sprache. "

Dafür hat Winkler zuerst mit Schauspielern eine Aufnahme des umgangssprachlichen Librettos erstellt.

 "Und die hab ich dann tatsächlich ganz genau in Notenschrift fixiert, und das ist die Basis der gesamten Oper."

"Das ist manchmal auch etwas traurig für die Sänger, denn sie wollen ja gerne ihre großen Stimmen zeigen und sie müssen hier ziemlich schnell immer alles singen."

Ein rasantes Tempo musste Winkler auch beim Schreiben hinlegen, sagt Thierry Bruehl:

"Herr Winkler hat die Komposition vor drei Wochen oder vor zweieinhalb Wochen erst beendet, weil er sich auch einem unglaublichen Zugzwang gestellt hat. Die Komposition hat 690 Seiten, Parsifal hat 240 Seiten. Also es ist fast dreimal so lang wie Parsifal, aber nicht in der Dauer, sondern in der Fülle der Töne einfach."

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