Ost und West
Bürgerliche und Rechte empört über Ramelows Vorstoß für neue deutsche Nationalhymne und Nationalfahne

Der Vorstoß des Linken-Politikers Ramelow, über eine neue deutsche Nationalhymne und -flagge zu diskutieren, hat bei bürgerlichen und rechten Kräften für Empörung gesorgt.

    Der Ex-Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, sitzt bei einem Wahlkampfauftritt und hat ein Mikrofon in der Hand und hält dieses vor den Mund.
    Bodo Ramelow (Die Linke), Bundestagsvizepräsident und ehemaliger Thüringer Ministerpräsident. (Archivbild) (dpa / picture alliance / Steffen Proessdorf)
    Vertreter mehrerer Parteien kritisierten die Aussagen des Bundestagsvizepräsidenten. CDU-Generalsekretär Linnemann sprach von "Kulturkampf". Die Flagge und die Hymne stünden für Demokratie, Grundrechte und Rechtsstaat. Wer damit fremdle, habe ein Problem mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Landes. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Klein warf der Linkspartei vor, nicht nur ein Problem mit offenem Antisemitismus in den eigenen Reihen zu haben, sondern auch mit dem Grundkonsens der Bundesrepublik: "Einigkeit und Recht und Freiheit".
    AfD-Fraktionschefin Weidel warf Ramelow vor, nicht nur Hymne und Flagge, sondern gleich das Grundgesetz abschaffen zu wollen. "Tadellosen AfD-Kandidaten wird hingegen pauschal die Verfassungstreue abgesprochen. Das ist nur noch absurd", erklärte sie.

    Ramelows Vorstoß für neue Nationalhymne und Nationalflagge "spalterisch, dumm und populistisch"

    FDP-Vize Kubicki nannte den Vorstoß "spalterisch, dumm und populistisch". Zudem sei er ohnehin unrealistisch, da eine Änderung von Nationalhymne oder -flagge eine Grundgesetzänderung voraussetzen würde.
    Die Vorsitzende des Vereins Team Freiheit und ehemalige AfD-Vorsitzende Petry meldete sich ebenfalls zu Wort: "Keine Volksabstimmung zum Euro, keine zur Energiewende, keine zur illegalen Massenmigration, keine zur Einschränkung der Bürgerrechte zur Zeit von Corona – aber jetzt eine zur Flaggenänderung?", fragte sie und fügte hinzu: "Das Land geht gerade vor die Hunde."

    Ramelow will West- und Ostdeutschland mit neuer Nationalhymne und Nationalflagge näher zusammenbringen

    Ramelow, früher Ministerpräsident von Thüringen, begründete seinen Vorstoß mit dem Ziel, Ost und West näher zusammenzubringen. Er kenne viele Ostdeutsche, die die Nationalhymne aus vielerlei Gründen nicht mitsängen, sagte er der Rheinischen Post. Er würde daher die Kinderhymne des 1898 in Augsburg geborenen und 1956 in Ost-Berlin gestorbenen Dramatikers und Theaterregisseurs Bertolt Brecht zur Abstimmung stellen.  Sie habe einen wunderbaren Text. Er selbst singe die aktuelle Hymne allerdings "mit Begeisterung" mit, weil er sie einordnen könne.
    Zugleich schlug Ramelow eine Abstimmung über die deutsche Flagge vor. Natürlich sei Schwarz-Rot-Gold die Absage an totalitäre Strukturen. Viele fremdelten aber auch mit der Nationalfahne.

    Der Text der Kinderhymne von Bertolt Brecht

    Die Kinderhymne:
    1. Anmut sparet nicht noch Mühe
    Leidenschaft nicht noch Verstand
    Dass ein gutes Deutschland blühe
    Wie ein andres gutes Land.
    2. Dass die Völker nicht erbleichen
    Wie vor einer Räuberin
    Sondern ihre Hände reichen
    Uns wie andern Völkern hin.
    3. Und nicht über und nicht unter
    Andern Völkern wolln wir sein
    Von der See bis zu den Alpen
    Von der Oder bis zum Rhein.
    4. Und weil wir dies Land verbessern
    Lieben und beschirmen wir's
    Und das liebste mag's uns scheinen
    So wie andern Völkern ihrs
    Diese Nachricht wurde am 29.08.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.