Donnerstag, 29. September 2022

Bundesbank-Reserven
Der Heimweg des Goldschatzes

Rund 3.400 Tonnen Gold besitzt die Bundesbank. Der Großteil davon wird im Ausland gelagert. 2013 wurde beschlossen, einen Teil davon nach Deutschland zu bringen. Läuft alles nach Plan, werden bis 2020 insgesamt 674 Tonnen Gold nach Frankfurt am Main gebracht.

19.12.2015

    Goldbarren der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main (Hessen).
    Goldbarren der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main (Hessen). (picture alliance / dpa / Bundesbank)
    Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele ist zufrieden. "Wir sind gut im Plan", sagt er. Thiele meint damit die Verlagerung eines Teil der deutschen Goldreserven nach Deutschland, die seit 2013 läuft. Damals befanden sich lediglich rund 1.000 Tonnen des Edelmetalls in Frankfurt am Main. In den vergangenen zwei Jahren kamen weitere 157 Tonnen auf streng geheimen Wegen hinzu. Für dieses Jahr macht die Bundesbank noch keine Angaben. Bis 2020 - so der Plan - soll sich die Hälfte der Goldreserven in Deutschland befinden.
    Standort Paris wird aufgelöst
    Die Bestände lagern in New York, London und Paris. Während in London alles beim Alten bleibt, werden 300 Tonnen Gold aus New York überführt, der Standort in Paris (374 Tonnen) wird komplett aufgegeben. Eine Lagerung zum Währungstausch sei nach der Einführung des Euro nicht mehr notwendig, heißt es zur Begründung bei der Bundesbank. Anders verhält es sich in den USA und Großbritannien. Dort könnte das Gold im Krisenfall in Devisen umgetauscht werden. In fünf Jahren wird sich die Hälfte der etwa 3.400 Tonnen Gold in den Kellern der Bank befinden, 37 Prozent sind es dann noch in New York und 13 Prozent in London.
    Auslagerung hat historische Gründe
    Warum sich das Gold überhaupt im Ausland befindet, erklärt Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel so: "Das Gold ist dort aufgelaufen, wo die Goldhandelsplätze waren." Und dort habe man es auch gelassen. In den Zeiten des Kalten Krieges gab es keine Ambitionen, die Barren an den Main zu holen. Der Sinneswandel kam erst, so Nagel, als sich die geopolitische Lage geändert habe. Außerdem monierte 2012 der Bundesrechnungshof, dass die Bundesbank die Goldbestände nur unzureichend überprüfe und sich auf schriftliche Bestätigungen der anderen Banken verlasse.
    42 Kilo Gold pro 1.000 Einwohner
    Deutschland besitzt mit genau 3.384 Tonnen (Stand Ende 2014) den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Der Wert beläuft sich auf etwa 114 Milliarden Euro. Nur der Bestand der USA ist mit mehr als 8.100 Tonnen größer. Umgerechnet kommen auf 1.000 Bundesbürger 42 Kilogramm Gold. Hier liegen die Schweiz (129 kg/1.000 Einwohner) und der Libanon (64 kg/1.000 Einwohner) vorn. Die USA befinden sich auf Platz neun (26 kg/1.000 Einwohner).
    (fe/stfr)