"Interview der Woche"
Bundesbankpräsident Nagel zeigt sich offen für begrenzte Lockerung der Schuldenregeln in der EU

Bundesbankpräsident Nagel zeigt sich offen für einen Vorstoß der EU-Kommission, wegen des Iran-Krieges die Schuldenregeln für die Mitgliedsstaaten zu lockern. Der Kurs sei tolerabel, wenn er für eine begrenzte Zeit und für ein bestimmtes Thema angelegt sei, sagte Nagel im Interview der Woche des Deutschlandfunks.

    Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, steht vor der Bundesbank-Zentrale.
    Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank (Archivbild). (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
    Gleichzeitig betonte der Bundesbankpräsident: Das Ganze dürfe nicht zulasten der Konsolidierungsanstrengungen der nationalen Haushalte gehen. Die EU müsse genau nachdenken, wenn es darum gehe, neue Verbindlichkeiten einzugehen.
    Wegen der durch den Iran-Krieg verursachten Energiekrise hatte die EU-Kommission angekündigt, die Schuldenregeln der EU weiter zu lockern. Höhere Schulden sollen demnach auch für Investitionen in die Energiewende erlaubt sein. Diese Ausgaben sollen unter eine bereits bestehende Ausnahmeregelung für Verteidigungsausgaben fallen können.

    Nagel: "Rechne vorerst nicht mit Preisentspannung"

    Für den Fall einer Beendigung des Iran-Kriegs rechnet Bundesbankpräsident Nagel nicht mit einer raschen Entspannung bei den Preisen. Es könne sein, dass man sich noch länger auf ein höheres Preisniveau einstellen müsse. Nagel verwies unter anderem auf Lieferketten, die sich geändert hätten. Die Welt sei perspektivisch über diesen Konflikt hinaus von Unsicherheiten und Veränderungen geprägt.
    Wegen des Iran-Kriegs hatte die Bundesbank jüngst ihre Konjunkturerwartungen nach unten korrigiert. In der sogenannten Deutschland-Prognose rechnet das Finanzinstitut mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von kalenderbereinigt 0,5 Prozent im laufenden und 0,8 Prozent im nächsten Jahr.
    Der Deutschlandfunk sendet das Interview mit Joachim Nagel am Sonntag um 11:05 Uhr. Sie können es hier nachlesen.
    Diese Nachricht wurde am 13.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.