
Das 2015 eingerichtete Gesprächsformat sei sehr wichtig, erklärte Klingbeil weiter. Es brauche einen gegenseitigen Zugang zu den Märkten, auch den Finanzmärkten, mit verlässlichen Rahmenbedingungen. Dies schließe den Zugang zu kritischen Rohstoffen und den Abbau von Überkapazitäten ein.
Der stellvertretende chinesische Ministerpräsident He Lifeng äußerte bei dem Treffen mit Klingbeil die Hoffnung, dass Deutschland seinen Einfluss innerhalb der Europäischen Union nutzen werde, um die Beziehungen zwischen China und der EU zu verbessern. Peking heiße deutsche Unternehmen bei Investitionen auf dem chinesischen Markt willkommen. He Lifeng betonte, er sei überzeugt, dass Handelskonflikte durch Dialog und Konsultationen gelöst werden könnten.
Begleitet wird der Finanzminister von Bundesbank-Präsident Nagel und von Vertretern deutscher Banken und Versicherungen.
Rekord-Handelsdefizit drückt die Stimmung
Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik werden durch ein Rekord-Handelsdefizit belastet. Nach einer Prognose der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest wird es in diesem Jahr bei 87 Milliarden Euro liegen.
Während die deutschen Exporte nach China von Januar bis August um 13,5 Prozent sanken, stiegen die Importe um 8,3 Prozent. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China verschärft die Lage, da chinesische Firmen ihre Exporte nach Europa umleiten. Der Bundestag setzte am Donnerstag eine Expertenkommission ein, um die Handelspolitik gegenüber China zu überdenken.
Auch Ukraine-Krieg auf Themenliste
Klingbeil rief China ebenfalls dazu auf, sich stärker als bisher für ein Ende des russischen Kriegs in der Ukraine einzusetzen. Er sei fest davon überzeugt, "dass China hierbei eine entscheidende Rolle spielen kann", sagte der Finanzminister bei dem Treffen mit Vizepremier Lifeng. Der Ukraine-Krieg sei auch ein destabilisierender Faktor für die globale wirtschaftliche Entwicklung. Die Volksrepublik ist ein enger Verbündeter Russlands.
Die Reise findet vor dem Hintergrund politischer Spannungen statt. Ein Besuch von Außenminister Wadephul war im vergangenen Monat abgesagt worden, nachdem China die meisten der vorgeschlagenen Treffen abgelehnt hatte.
Brantner: "Außenpolitisch planlos"
Die Grünen nahmen dies zum Anlass für Kritik: "Die Bundesregierung sendet ein völlig widersprüchliches Signal nach Peking", sagte Parteichefin Brantner den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Wenn der Außenminister seine Reise wegen fehlender ernsthafter Gesprächsangebote absagen muss, während der Finanzminister gleichzeitig wie geplant einreist, wirkt das außenpolitisch schlicht planlos." Deutschland brauche eine "klare, abgestimmte China-Strategie".
Diese Nachricht wurde am 17.11.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
