
Man müsse sich darüber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass die Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen, sagte der CDU-Chef. Als Beispiel nannte er die telefonische Krankschreibung. Diese gilt seit 2021. Die Union dringt auf eine Abschaffung. Merz kündigte an, er werde das Thema mit dem Koalitionspartner SPD beraten.
Kritik von anderen Parteien
Von SPD, Grünen, Linken und dem BSW kam deutliche Kritik an den Äußerungen des Kanzlers. Der frühere Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) sagte dem "Tagesspiegel", eine Verbesserung beim Krankenstand lasse sich durch "Vorbeugemedizin" erreichen, also durch Früherkennung, durch eine Erhöhung der Tabaksteuer und andere präventive Maßnahmen – und nicht durch Gängelei der Kranken.
Linken-Bundesgeschäftsführer Ehling meinte, wer den hohen Krankenstand beklage, solle über Überlastung, Personalmangel und krankmachende Arbeitsbedingungen reden, statt Beschäftigten fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen. Grünen-Chefin Brantner sagte, wirtschaftlich sei es klar, dass mehr gearbeitet werden müsse. Nötig seien aber gute Rahmenbedingungen, etwa verlässliche Kinderbetreuung. Der BSW-Vorsitzende De Masi kritisierte, der Kanzler stelle Millionen Beschäftigte unter Generalverdacht.
Zahl der Krankheitstage wohl auch wegen anderer Erfassung gestiegen
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Beschäftigte im Jahr 2024 im Durchschnitt 14,8 Arbeitstage lang krankgeschrieben. Dies ist ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu 2021. Den Angaben zufolge ist ein möglicher Grund die Umstellung auf die digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Damit würden Ausfälle vollständiger erfasst.
Davon geht auch eine Studie der Krankenkasse AOK von Anfang 2025 aus. Treiber für zusätzliche Fehltage seien unter anderem Atemwegserkrankungen. Bei der telefonischen Krankschreibung sah die AOK-Studie hingegen keinerlei Anzeichen für einen systematischen Missbrauch.
Diese Nachricht wurde am 17.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






