Bundesliga und Klimaschutz"In die Champions-League des Greenwashings aufgestiegen"

Nick Heubeck engagiert sich bei der Innitiative Fridays for Future für den Klimaschutz. Im Dlf prangert er das Verhalten vieler Fußball-Bundesligavereine massiv an. Die kämen ihrer Verantwortung nicht nach und betrieben stattdessen Greenwashing - lediglich vorgespiegeltes Umweltbewusstsein.

Nick Heubeck im Gespräch mit Maximilian Rieger | 12.12.2020

Solarkraftwerk auf dem Dach des Stadions des SC Freiburg.
Schritt zu weniger Emissionen? Solaranlage auf dem Stadiondach (imageBROKER)
"Ich würde auf jeden Fall sagen, dass hier eine Chance verpasst wurde", sagt der Klimaschutz-Aktivist Nick Heubeck über die Neuverteilung der Gelder in der Fußball-Bundesliga, bei der Umwelt- und Klimafreundlichkeit keine Rolle spielten. "Ich glaube Bundesligisten müssen sich aber noch mal deutlich klarer machen, welche Verantwortung sie gerade in der Klimakrise haben."
Nick Heubeck, Pauline Brünger und Sebastian Grieme, Fridays for Future-Aktivisten, stehen bei einer Pressekonferenz zu den Erwartungen an das Klimakabinett und zum bevorstehenden internationalen Streik am 20. September 2019, zusammen.
Der Klima-Aktivist Nick Heubeck (2019) (picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)
Die Bundesliga sei Teil eines fossilen Systems, das die Klimaveränderung anfache. Und das werde in der Liga nicht angesprochen. Die Bundesliga habe es Jahre und Jahrzehnte verschlafen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden:
"Ganz viele Vereine sind einfach in die Champions League des Greenwashings aufgestiegen. Wenn man immer noch den Ölkonzern auf der Brust prangen hat, wenn man immer noch für die Werbung macht auf der ganzen Welt, dann kann man sich nicht rausreden und nicht sagen, man kämpft gegen die Klimakrise, nur weil man am anderen Ende der Welt irgendwie ein paar Bäume pflanzt", sagt Heubeck.
Bälle in der Fußball-Bundesliga
Fußball-BundesligaDie Initiative Sports for Future kämpft für klimaschonenden Sport. Auch die Bundesliga sollte klimaneutral sein, fordert Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Dietmar Hopp will Klimaschutz sogar in der Lizenzierung verankern. Aber nicht sofort, wie bei einer Vorstellung der Initiative deutlich wurde.
Es brauche ein Umdenken bei der Planung des Spieltags. Wer Parkhäuser für zigtausende Autos baue statt den Nahverkehr zu stärken, brauche sich nicht wundern, wenn die Zuschauer mit dem Auto kämen.
"Es gibt überhaupt keinen Plan"
Heubeck fordert Druck aus der Gesllschaft und der Politik, konzentriert auf Vereine oder die Bundesliga. Selbstverpflichtungen hätten auch in der Industrie nirgendwo funktioniert. Corona sei dabei nur eine Ausrede für weitere Verzögerungen. Gebraucht werde eine große gesellschaftliche Veränderung:
"Das sind jetzt die großen Fragen der nächsten Jahre: Wie kann man in den Stadien und in der Bundesliga die Emissionen drastisch reduzieren? Es gibt überhaupt keinen Plan, der sich an wissenschaftlichen Realitäten der Klimakrise orientiert. Die Bundesliga hat zum Beispiel keine Ahnung, wie sie die Emissionen so reduzieren muss, dass wir die Zusagen des Pariser Klimaabkommens einhalten", bemängelt Heubeck.
Diskussionen dazu würden noch nicht geführt. Er selbst habe sich des Themas Umwelt- und Klimaschutz angenommen, weil er sich über Wegwerf-Plastikbecher beim BVB geärgert habe. Mithilfe anderer Fans habe es schnell eine Initiative und Veränderungen gegeben:
"Ich würde nicht sagen, es sind die bösen Fußballfans, die am Ende gar kein Ököbewusstsein haben. Sondern meistens sind es die Vereine, die der Gesellschaft hinterher hinken."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.