Samstag, 03. Dezember 2022

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Bundeswehr
Mehr Hubschrauber wieder einsatzbereit

Nach den Pannen um die Hubschrauber der Bundeswehr kann Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) endlich wieder gute Nachrichten verkünden. Der Zustand der Kampf- und Transporthubschrauber hat sich deutlich verbessert. Aber wie steht es um das Personal?

Von Falk Steiner | 09.08.2016

    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) spricht in Fritzlar (Hessen) vor einem Kampfhubschrauber vom Typ Tiger zu den Medienvertretern.
    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) spricht in Fritzlar (Hessen) vor einem Kampfhubschrauber vom Typ Tiger zu den Medienvertretern. (pa/dpa/Nietfeld)
    Es ist ein beschauliches nordosthessisches Städtchen, nicht weit von Kassel, in das Ursula von der Leyen als eine Station ihrer Sommertour gekommen ist. Im Hintergrund die Stadtsilhouette von Fritzlar schwebt sie ein mit einem großen Transporthubschrauber, wie er dem Grunde nach seit einem halben Jahrhundert gebaut wird. Für die Kameras wird er von zwei Tiger-Kampfhubschraubern begleitet.
    "Umgestellt und modernisiert"
    Diese Fluggeräte sind das Beste, was die Bundeswehr für den bodennahen Kampf aus der Luft derzeit zu bieten hat, hypermodern, superleise - und superkompliziert. Genau hier, beim Heer, und das ist sicher kein Zufall, will von der Leyen verkünden, dass es nun aufwärts geht, bei den Hubschraubern, den Sorgenkindern der Bundeswehr. Waren vor einem Jahr nur fünf der damals 24 Tiger flugfähig, kann Ursula von der Leyen heute verkünden:
    "Wir haben dann deutlich umgestellt, modernisiert, in vielen Schritten, heute fliegt jeder zweite Tiger wieder – das ist eine gute Bewegung nach vorne, die auch notwendig war."
    Auch für den Transporthubschrauber NH-90 kann das Ministerium heute mitteilen, dass nicht mehr jede sechste, sondern fast jeder zweite einsatzbereit ist.
    Aber Kampf? Das klingt so gar nicht recht nach von der Leyen. Sie unterhält sich vor Ort mit einer Tiger-Pilotin kurz über die Ausrüstung, dann über ihren Weg in die Bundeswehr, über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dieses Thema beschäftigt viele, hier, im beschaulichen Nordosten Hessens.
    Denn ein Teil der Tiger aus Fritzlar könnte nach einem ersten Einsatz in Afghanistan bald in ein zweites heikles Operationsgebiet geschickt werden. Die Niederlande wollen ihre Apache-Kampfhubschrauber aus der UN-Mission in Mali abziehen – die dort unter anderem auch der Bundeswehr aus der Luft unter die Arme greifen können, wenn diese angegriffen wird. Jetzt suchen die Vereinten Nationen nach Lösungen:
    "Dieser Suchprozess wird bis zum Ende der Sommerpause dauern. Wir werden uns danach gemeinsam zusammensetzen und schauen, wie das Ergebnis ist", sagt Ursula von der Leyen.
    Aber könnte der Tiger das überhaupt leisten? Hauptmann Andreas Strahlenbach sagt:
    "Ja. Also es wird sicherlich viel diskutiert, natürlich kann dieser Hubschrauber, dadurch, dass er in Afghanistan schon eingesetzt wurde und sich da eigentlich schon bewährt hat, sicherlich auch in Mali funktionieren…"
    Was ist mit dem Personal?
    Die Klimaverhältnisse seien grundsätzlich vergleichbar, aber natürlich müsse auf Details noch geschaut werden. Realistisch müssten im Fall der Fälle wohl fünf Tiger nach Mali umziehen – ein "Air Weapon Team" mit mehreren Piloten und etwa 40 Mann Logistikern, Wartungs- und Waffentechnikern mit nach Mali gehen. Doch auch diese Truppe ist, genau wie die Zahl der Tiger-Hubschrauber, noch "im Aufwuchs" – also zu wenig.
    Und ein komplettes Team ist bereits anderweitig, im Rahmen der sogenannten EU Battlegroup verplant, sagt der Leiter der Luftfahrzeugtechnik im Kampfhubschrauberregiment 36 Oberstleutnant Gero Wilhelm:
    "Genau dieses Personal ist das, was auch in einem möglichen Einsatz im Jahr 2017 dann diesen Einsatz stemmen müsste."
    Am Ende bleiben, auch wenn es nun besser läuft, alle Hubschrauber und auch das Personal eben nur einmal verplanbar: EU Battlegroup oder doch Mali? Bislang zumindest geht das wohl nicht parallel.
    Die Ministerin Ursula von der Leyen hält in Fritzlar derweil stets eine kleine Restdistanz zu den Kampfhubschraubern. Keine Helme auf den Kopf, auch Waffen berührt sie nicht – nur das Notfallset aus der Pilotenausrüstung, das muss sie natürlich anfassen. Und für ein Gruppenbild mit den Soldatinnen und Soldaten, dafür reicht die Zeit ebenfalls.