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StartseiteCampus & KarriereBurnout-Syndrom auf dem Vormarsch05.11.2001

Burnout-Syndrom auf dem Vormarsch

Immer mehr Arbeitnehmer werden psychisch krank

Jede neunte Krankmeldung hat als Ursache psychische Probleme. Nach Einschätzung der Techniker Krankenkasse steigt die Zahl der Arbeitnehmer mit psychischen Erkrankungen. Experten warnen inzwischen vor Auswirkungen für die Unternehmen. Seit den 70-er Jahren ist das Burnout-Syndrom für Arbeitsmediziner ein Begriff. Winfried Astheimer, Chefarzt des Fachbereiches Psychosomatik und Psychotherapie am Krankenhaus Zum Guten Hirten in Ludwigshafen erläutert: "Mit Burnout-Syndrom beschreiben Menschen Beschwerden im Zusammenhang mit ihrer Arbeit, dass sie sich innerlich ausgebrannt fühlen, sie fühlen sich überbeansprucht und ausgelaugt. Sie haben das Empfinden, bei der Arbeit zu versagen. Sie fühlen sich müde, klagen aber auch häufig über Schlafstörungen."

Anfangs beobachteten Mediziner das Burnout-Syndrom bei Berufsgruppen, die vermeintlich gar keinen besonders stressigen Job hatten. Dazu gehörten die helfenden Berufe wie Erzieher oder Krankenschwester. Inzwischen sind in allen Berufsgruppen Fälle zu beobachten. Monika Rühl aus der Personalabteilung der Lufthansa AG: "Fest steht, dass es im Zusammenhang mit der Globalisierung und der Zunahme der Geschwindigkeit im Geschäftsprozess Thema wird - unabhängig von der Hierarchieebene."

Jedes Jahr gehen der Deutschen Wirtschaft mehr als fünf Milliarden Mark verloren, weil Mitarbeiter durch psychische Erkrankungen ausfallen. Rund sieben Prozent der Deutschen, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, tun dies wegen psychischer Beschwerden. Heute leiden bei uns zehnmal mehr Menschen an Depressionen als vor 50 Jahren.

Wenn das Burnout-Syndrom droht, müssen Vorgesetzte eingreifen, meint Winfried Astheimer: "Wichtig ist, dass es innerhalb des Arbeitsteams ein Gesprächsklima gibt, wo sich ein betroffener Mensch auch trauen kann, zu sagen, 'Ich komm mit der Arbeit nicht mehr zurecht, ich habe das Gefühl, ich versage'." Wenn ein Mitarbeiter schon 'ausgebrannt' ist, kann eine Therapie helfen - aber auch weniger Stress am Arbeitsplatz und mehr Freizeit.

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