Dienstag, 07. Dezember 2021

BVDG-Vizepräsident Jürgen Spieß"Wünsche mir vom ganzen Herzen, dass Gewichtheben olympisch bleibt"

Jürgen Spieß, Vizepräsident Sport beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG), hat dringend Reformen beim Welt-Gewichtheberverband(IWF) angemahnt. Ansonsten drohe seiner Sportart der Olympia-Bann, dies wäre gleichbedeutend mit einem "K.o.-Schlag" für das Gewichtheben.

Jürgen Spieß im Gespräch mit Raphael Späth | 14.02.2021

Jürgen Spieß jubelt mit einem Gewicht über dem Kopf.
Der deutsche Gewichtheber Jürgen Spieß (imago sportfotodienst)
Auch fast ein Jahr nach dem Rücktritt von Tamas Aján, dem umstrittenen Präsidenten des Welt-Gewichtheberverbands (IWF), kommt der Verband nicht zur Ruhe. Ein Untersuchungsbericht im Sommer 2020 hatte unter anderem bestätigt, dass 40 positive Dopingfälle von Aján vertuscht wurden. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hatte Pläne bestätigt, wonach Gewichtheben aus dem Programm der Sommerspiele von Paris 2024 geworfen werden, sollte es nicht zügige und grundlegende Reformen geben. Das IOC bewertet die jüngsten Entscheidungen der IWF als "Aufweichung ihrer Anti-Doping-Regeln". So war die Interims-Präsidentin Ursula Papandrea, die nach dem erzwungenen Abtritt des mächtigen Verbandsbosses Aján einige Reformen angestoßen hatte, im vergangenen Jahr von dessen Verbündeten abgesetzt worden.
Anders als geplant sollen jetzt schon Ende März die IWF-Neuwahlen stattfinden, dann im April eine Verfassungsreform beschlossen werden.
Erst seit ein paar Wochen sei es so, dass die Athleten auch bei Sitzungen des IWF Executive Board zugegen seien könnten, sagte Jürgen Spieß, Vizepräsident Sport beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber, im Dlf. Zuvor habe man die Athleten meist außen vor gelassen. Erst seitdem das IOC genauer hinschaue und Druck ausübe, habe der IWF die Türen geöffnet. "Natürlich kommt von Sportlerseite viel Kritik, weil es im Moment auch nicht viel gibt, was man loben kann", sagte Spieß.
"Es ist zu wenig passiert, die Forderungen des IOC wurden bisher nicht erfüllt", sagte Spieß. Sollte Gewichtheben wirklich 2024 aus dem Olympia-Programm gestrichen werden, sei dies ein "K.o.-Schlag" für die Sportart.

Er hätte gegen Ursula Papandrea als neue Präsidentin nichts einzuwenden, sie habe vor allem die Sportler im Blick. "Aber ob sie am Ende die Heilsbringerin ist?" sagte Spieß. Sie war ja auch schon unter Tamas Aján im IWF tätig.

"Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Gewichtheben olympisch bleibt. Das wäre sonst ein Stich ins Herz", der Sportart drohe sonst der Abstieg in die Zweitklassigkeit, man sei ja ohnehin schon eine Randsportart.
Er sprach sich im Dlf-Sportgespräch auch gegen eine Impflicht für Sportler aus. "Wir sind ja in der Regel kerngesund. Wir wollen uns nicht Vordrängeln oder den Hochrisikogruppen etwas wegnehmen."