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StartseiteCampus & KarriereEnger Kontakt zu Managern und Unternehmen08.07.2016

BWL-StudiumEnger Kontakt zu Managern und Unternehmen

Serie: Wie viel Praxis steckt im Studium?

Ob Whistleblowing oder Wirtschaftskrisen: Im BWL-Studium an der Uni Köln sollen die Studierenden möglichst viel Praxis kennenlernen. Die Wege dahin sind vielfältig: So können Studierende ihre Bachelorarbeiten in Kooperation mit Firmen schreiben, Unternehmen kommen direkt an die Unis oder Banker fungieren als Gastdozenten.

Von Stephanie Kowalewski

Ein Mann und eine Frau in Business-Look beugen sich gemeinsam über einen Laptop-Computer (imago / McPHOTO)
Die Uni Köln setzt – wie fast alle Universitäten – auf Berater, Marketingprofis oder Banker, die als Gastdozenten in Vorlesungen oder Workshops ihren Berufsalltag mit an die Uni bringen. (imago / McPHOTO)
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"Ja, guten Tag zusammen. Ich darf sie alle herzlich begrüßen zu unserem Seminar 'Behavorial Ethics'."

Das Fach Wirtschaftsethik ist noch recht neu an der BWL-Fakultät – und es ist eine Reaktion der Uni Köln auf die großen ökonomischen Krisen weltweit. Im Seminar von Verhaltensökonom Bernd Irlenbusch steht heute "Whistleblowing" auf dem Stundenplan.

"Der VW-Skandal hat es ja deutlich gemacht, dass eben die Whistleblower nicht so häufig Hinweise geben, wenn etwas schlechtes passiert im Unternehmen", erzählt Julian Conrads, Unternehmensberater und Gastdozent in diesem Seminar.

"Was gibt’s da für Ideen, was haben sie gelernt?"

"Vielleicht kann man auch über Belohnungssysteme dieses Whistleblowing befördern."

Theorie und Methoden an realen Problemen von Unternehmen lernen

Damit sich Theorie und Praxis im BWL-Studium auch sonst möglichst nahe kommen, organisiert die Uni Köln den Career Tuesday, bei dem sich jeden Dienstag ein anderes Unternehmen an der Uni vorstellt und bei dem auch schon mal freiwillige Praktika ausgemacht werden. Auch für Dozenten wie Bernd Irlenbusch ist der enge Kontakt mit Managern und Firmeninhabern wichtig:

"Wir wollen ja nicht im Elfenbeinturm sitzen und aus Ferngläsern auf die Wirklichkeit gucken. Wir haben halt hier diesen Spagat: Wir müssen halt Forschung machen und wir müssen praxisrelevante Themen bearbeiten."

Deshalb werden Theorien und Methoden möglichst an Beispielen realer Probleme von Unternehmen unterrichtet, sagt Prodekan Ulrich Thonemann:

"Das ist ein sehr großer Trend – auch deutschlandweit. Und wenn man dann fünf Probleme gelöst hat, kann man das große Konzept auch verstehen. Während früher es oft andersrum ging. Was oft nicht funktioniert hat."

Bestenfalls mündet das darin, dass Studierende ihre Bachelorarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen schreiben. Die Uni Köln setzt – wie fast alle Universitäten – auf Berater, Marketingprofis oder Banker, die als Gastdozenten in Vorlesungen oder Workshops ihren Berufsalltag mit an die Uni bringen. Eine Bereicherung, findet Matthias Mück, BWL-Master-Student:

"Wie berechnet man den Wert eines Unternehmens? Solche Sachen von Leuten aus der Praxis, von Investmentbankern kennenzulernen, das hat schon einen hohen Stellenwert."

"Das sind lustigerweise die Vorlesungen, wo meistens weniger Leute da sind, weil die sagen: Ist nicht klausurrelevant, interessiert mich nicht."

Theorie im Bachelorstudium - Praxis im Master

Denn solche Angebote bringen keine Punkte, sagt Bachelorstudent Frederic Jung von der Fachschaft BWL. Viele seiner Kommilitonen wollten den Bachelor schnell durchziehen, um anschließend Praxisluft zu schnuppern. Denn noch konzentriert sich das BWL-Bachelorstudium an Universitäten nach wie vor auf die Vermittlung der theoretischen Grundlagen, handfeste Praxis ist eher Sache des Masterstudiums:

"Man muss sich den Praxisteil an der Uni eben selbst erarbeiten. Das ist halt das Schöne an der Uni, dass man die Freiheit hat. Aber da ist jeder auch irgendwo für sich selbst verantwortlich."

Johannes Heinen studiert im 4. Semester VWL und BWL, er ist 21 Jahre alt und Geschäftsführer der rein studentischen gGmbH "OFW". Dahinter verbergen sich gut 40 Bachelorstudierende, die meisten aus dem Bereich BWL:

"Die einfach alle das gemeinsame Ziel haben: Praxiserfahrung zu sammeln, erste Erfahrung in einem Unternehmen zu sammeln und am Ende diesen großen Kongress auf die Beine zu stellen."

Ein Jahr lang arbeiten sie hier in dem spendenfinanzierten geräumigen Büro in der Kölner Innenstadt - ehrenamtlich -, um den angesehenen World Business Dialog zu organisieren. Dazu kommen hunderte Studierende aus aller Welt, Redner wie Bill Gates und viele Unternehmensvertreter.

Auch Manager profitieren vom Wissen der Studierenden

Während die Manager dabei von dem Wissen der Studierenden profitieren und auf Tuchfühlung zu potenziellen Mitarbeitern gehen, stricken die Studierenden an ihren Netzwerken und lernen so ziemlich alles, was Unternehmen von ihnen erwarten, ist Johannes Heinen überzeugt:

"Hier lerne ich, Gespräche zu führen, zu scheitern und auch wieder aufzustehen. Und ich denke, wenn ich hier nicht gewesen wäre, würde ich nicht den Weg gehen, den ich in Zukunft gehen werde."

Fazit:

O-Ton-Collage BWL-Studierende:

"Vor allem auch in den Bachelorstudiengängen wird der Focus immer noch auf die theoretischen Inhalte gelegt, weil ja, um die Praxis zu erlernen, erst einmal ein Basiswissen bestehen muss."

"Es sind halt wirklich die theoretischen Grundlagen geschaffen, um im Job klar zu kommen. Man muss sich dann halt die Praxis hart erarbeiten. Aber ich hab ja auch die Wahl, an die FH zu gehen oder ein duales Studium zu machen, wo ich den Praxisbezug direkt habe."

"Was die Unternehmen erwarten, ist, strukturiertes Denken, analytisches Denken, wie man an Problemstellungen herangeht, und ich glaube, da werden wir hier sehr gut drauf vorbereitet."

 

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