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Startseite@mediasresAuch studierende Journalisten können enthüllen10.12.2018

Campus-RadioAuch studierende Journalisten können enthüllen

Beim Stichwort "Investigativ-Journalismus" denken die meisten an große Medienhäuser. Aber auch Studierende in den Campusradios decken Missstände in der Gesellschaft auf. Wie weit sie da gehen können - das wurde am Wochenende auf dem Campusradiotag diskutiert.

Von Michael Böddeker

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Campusradio-Tag 2018
Der Campusradio-Tag fand 2018 im Kölner Funkhaus des Deutschlandradios statt
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Über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich angemeldet. Gegen Mittag sind die meisten angekommen, im weitläufigen Foyer des Funkhauses, Studierende von den 13 Campusradios in NRW. Ist für sie investigative Recherche überhaupt ein Thema?

"Ja, auch beim Campusradio kann man investigativ arbeiten. Gerade weil man da vielleicht Themen vor der Nase hat, die andere Journalistinnen, Journalisten nicht so sehr vor Augen haben. Und auch dort kann man sehr investigativ berichten. Gerade, weil wir ja nicht im Job stehen, sondern das alles freiwillig machen, haben wir mega-viele Freiheiten als Student. Und von daher ist das auf jeden Fall eine Möglichkeit."

Studierende Journalisten können lokal investigativ arbeiten

"Ja. Aber ich glaube, man sollte sich das mehr trauen, hab‘ ich das Gefühl. Auf jeden Fall. Das hatten wir bei uns im letzten Jahr jetzt auch einige Male gehabt. Das Wichtige ist halt, dass sich die Campusradios auf ihre lokalen Nischen konzentrieren. Also, jetzt keine weltpolitischen Skandale aufdecken zu wollen, sondern einfach vor Ort zu gucken - bei der Uni-Baustelle. Oder, ob jetzt zum Beispiel auch der NSU bei uns in der Region aktiv war, solche Dinge."

So sieht es auch der Journalist Kim Otto.

"Campusradio kann auf jeden Fall investigativ sein. Die Studierenden müssen sich einfach nur die Mühe geben, systematisch zu recherchieren, und einfach mal nach den Themen zu suchen. Die liegen ja eigentlich auf der Straße. Man muss sich nur einfach ranmachen an die Themen."

Experte für Wirtschaftjournalismus ermutigt Studierende

Kim Otto ist Professor für Wirtschaftsjournalismus und arbeitet für das ARD-Politik-Magazin "Monitor". Er kennt sich also aus mit Enthüllungsgeschichten. In seinem Eröffnungsvortrag versucht er, die Studierenden mehr für solche Recherchen zu begeistern.

"Was wir hier machen, ist kein Hexenwerk. Es kann jeder. Jeder kann es. Sie können es auch. Und ich kann Sie nur animieren, das zu machen. Weil, ehrlich gesagt, das ist auch unsere Aufgabe: Wir haben eine Kritik- und Kontrollfunktion. Also, mir macht es Spaß, in der Öffentlichkeit zu gucken, wer versucht, welche Position durchzusetzen? Wer versucht, Fake News da reinzubringen? Und das ist unser tägliches Geschäft!"

Es gibt schon investigative Geschichten

Über die Jahre ist das auch bei Campusradios immer wieder geschehen. Oft sind es Recherchen, die unmittelbar mit der eigenen Hochschule zu tun haben: Werden Fördergelder aus dem "Qualitätspakt Lehre" tatsächlich genutzt, um damit die Lehre zu verbessern? Lässt sich anhand der elektronischen Mensakarte ein Bewegungsprofil erstellen? 

"Das Schöne beim Campusradio ist, dass es sich ja auch an eine relativ spezielle Klientel wendet, und in einem relativ speziellen Umfeld stattfindet, und deswegen sowieso Zugang zu Informationen besteht, um die sich andere jedenfalls mal nicht kümmern – oder womöglich auch gar nicht drankämen."

Defizite in der journalistischen Ausbildung

Sagt Tobias Schmid, der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, die später am Abend auch Preise für besonders gute Inhalte der Campusradios vergibt. Die gibt es zwar. Aber es könnten ruhig noch mehr sein, meint Journalist Kim Otto. Er sieht ein Defizit in der Lehre:

"Ich glaube, das Hauptproblem ist, dass die Studierenden in Seminaren nicht lernen, systematisch zu recherchieren – also, wie gehe ich da vor? Wie gehe ich gerade bei der investigativen Recherche vor? Was ja eigentlich eine Hauptaufgabe von vielen Journalisten ist. Aber das wird auch an den Universitäten relativ wenig vermittelt. Dort vermittelt man eher die Informationsvermittlung, aber nicht die Recherche von Journalisten."

Einige Studierende wollen nur mal schnuppern

Allerdings wollen auch längst nicht alle Campusradio-Macherinnen und -Macher investigativen Journalismus betreiben. Joana Leyendecker, Chefredakteurin von Kölncampus:

"Zu uns kommen Studenten jeglicher Studienrichtung. Das heißt, da sind natürlich auch viele dabei, die das wirklich nur als Hobby machen. Die gar nicht den Anspruch haben, journalistisch später zu arbeiten. Aber natürlich auch sehr, sehr viele, die genau diesen Anspruch haben. Und da merken wir auch, die arbeiten ganz anders. Und je länger und je mehr man bei uns arbeitet, desto mehr macht man natürlich auch nach der Ausbildung – und merkt dann auch, was richtiger Journalismus sein kann."

Prämierung für Bericht über NSU-Aktivitäten

Das zeigt sich auch am Abend, als die Campusradio-Preise verliehen werden. Ausgezeichnet werden auch besonders gründliche Recherchen - zum Beispiel aus Bielefeld. Dort hat Maximilian Hampel zu den Aktivitäten des NSU in der Region recherchiert.

"Auch 21 Bielefelder Personen und Adressen finden sich auf der Liste. Der Ausschnitt mit den Zielen des NSU liegt Hertz 87,9 vor. Darauf finden sich vermeintlich typische rechte Ziele."

"Und deswegen für Maximilian, absolut gerne und absolut verdient, den Anerkennungspreis. Nochmal ein dicker Applaus für Maximilian Hampel!"

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