Medizin
Cannabis soll bei psychischen Leiden kaum einen Nutzen haben

Cannabis wird zunehmend per Rezept verschrieben. Doch insbesondere bei psychischen Erkrankungen gibt es Zweifel an seinem Nutzen.

    Hand hält Blatt einer Cannabispflanze mit Schatten.
    Eine Analyse der Universität Sydney kommt zu dem Schluss, dass Cannabis bei Depressionen oder Angststörungen keinen belegbaren Nutzen hat. Auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen konnte laut der im Fachjournal ”The Lancet Psychiatry” veröffentlichten Studie kein positiver Effekt festgestellt werden.
    Für die Untersuchung wurden Daten und Befunde aus 54 internationalen klinischen Studien mit insgesamt 2.477 Patienten ausgewertet. Nach eigenen Angaben hat das Team damit die bisher größte Meta-Analyse dieser Art zu dem Thema durchgeführt.

    Möglicherweise leichte Effekte bei Autismus oder Tourette

    Einen gewissen Nutzen könnten medizinische Cannabisprodukte bei Autismus, Schlaflosigkeit oder dem Tourette-Syndrom haben, schreibt das Team. Zugleich bestehe aber das Risiko, dass aufgrund der Anwendung von Cannabinoiden wirksamere Therapien verzögert oder unerwünschte Nebenwirkungen ausgelöst werden könnten.
    Bei nicht-psychischen Leiden sieht es anders aus: Zur Linderung von Anfällen bei einigen Formen der Epilepsie, zur Verringerung von Spastiken bei Multipler Sklerose oder zur Behandlung einiger Arten von Schmerzen sei durchaus ein Nutzen von medizinischem Cannabis nachweisbar, so die Autoren. 

    Expertin hat Zweifel an den Ergebnissen

    Die nicht an der Studie beteiligte Expertin für Cannabis in der Medizin, Kirsten Müller-Vahl von der Medizinischen Hochschule Hannover, sieht Schwächen in der Studie. So hätten etwa die Cannabinoide THC und CBD teils sehr unterschiedliche und zum Teil sogar gegensätzliche Wirkungen bei Psychosen oder Angststörungen, würden aber in der Analyse pauschal gemeinsam bewertet. 
    Seit 2017 kann medizinisches Cannabis in Deutschland legal verschrieben werden. Seit April 2024 fällt Medizinal-Cannabis zudem nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Die aktuelle Bundesregierung hat Verschärfungen auf den Weg gebracht, um Missbrauch einzudämmen.
    Diese Nachricht wurde am 17.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.